Aktion Modernes Handwerk

"Diese Förderung schadet dem Handwerk"

Der Gesamtverband Handwerk fordert seit den 90er Jahren, die finanzielle Förderung der Backindustrie in Sachsen-Anhalt im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) zu streichen. Denn das koste qualifizierte Arbeitsplätze, da die Backindustrie in Konkurrenz zum regionalen Backhandwerk steht. Fragwürdig sei auch eine Förderung von Investitionen bei der Verlagerung von Produktionsstätten. Immer wieder wendet sich der Gesamtverband an das Wirtschaftsministerium, und immer wieder berichten die Medien von Schließungen, Verlagerungen und Neueröffnungen von Backfabriken in Sachsen-Anhalt.

Die Bevorzugung der Großproduktion im Bereich Back- und Konditoreiwaren sei augenscheinlich. 485 Bäckereien haben laut Gesamtverband Handwerk in den vergangenen 20 Jahren geschlossen. Wir haben nachgefragt bei Dr. Andreas Baeckler, Geschäftsführer des Gesamtverbandes Handwerk und des Landesinnungsverbandes des Bäckerhandwerks.

Frage: Was halten Sie von den neuen GRW-Landesregelungen?
Baeckler: Diese neue Regelung beinhaltet nicht die Beseitigung von Wettbewerbsverzerrungen gegenüber unseren handwerklichen Bäckereien. Auch weiterhin ist der sogenannte „Überregionale Absatz“, das heißt 50 Prozent Umsatz außerhalb des 50-km-Radius, für handwerkliche Bäckereien ein Ausschlusskriterium. Insoweit halten wir an unserer Kritik fest, dass diese Förderung unseren handwerklichen Betrieben und dem Land schadet. Unsere Betriebe im Handwerk produzieren ökologisch nachhaltig mit kurzen Transportwegen und mit Personal aus der Region. Unsere Handwerksbäcker und Fleischer unterstützen mit ihrem regionalen Gepräge das besondere touristische Flair. Die Absenkung der Mindestinvestitionssumme von 50 000 auf 30 000 Euro ist für das Bäcker- und Fleischerhandwerk ohne förderungspolitische Bedeutung.

Frage: Eine Einschränkung der Förderung von Betriebsverlagerungen ist in der neuen Regelung aber enthalten. Ist damit ein Ziel erreicht?
Baeckler: Ja, es gibt eine Einschränkung für die Förderung von Betriebsverlagerungen. Diese Einschränkung bezieht sich aber nur auf die Anrechenbarkeit der zusätzlich geschaffenen neuen Dauerarbeitsplätze. Das heißt also, angerechnet werden bei Neuinvestitionen im Sinne der Betriebsverlagerung die insgesamt neu geschaffenen Arbeitsplätze. Für einen Investitionswilligen wird diese Tatsache von nachrangiger Bedeutung sein, um bei der neuen Investition höhere Effizienzkriterien zu bewirken. Unser Ziel wäre nur dann erreicht, wenn wir in der Tat Wettbewerbsgleichheit erreicht hätten. Davon kann nunmehr keine Rede sein.

Frage: Was fordern Sie? Was kritisieren Sie? Wofür setzen Sie sich ein?
Baeckler: Wir fordern Wettbewerbsfairness! Entweder das Handwerk bekommt die gleichen Förderbedingungen wie die Industrie oder die industriellen Subventionen müssen beseitigt werden.

Frage: Was werden Sie tun?
Baeckler: Wir werden uns weiterhin an die Öffentlichkeit wenden, denn mittlerweile stellt jeder Konsument von Backwaren fest, wie sich die Lebensqualität verschlechtert, wenn er auf seinen handwerklichen „Bäcker um die Ecke“ verzichten muss. Wir werden jede Möglichkeit nutzen, um gegenüber der Politik auf unser Problem aufmerksam zu machen. (ld/ag)

Die neue GRW-Förderung: www.ib-sachsen-anhalt.de