Kohlmann

Es geht um die Wurst

Wenn es schon längst Schlafenszeit ist und die Frau von Klaus-Dieter Kohlmann ihren Mann ermahnt, weil er noch immer arbeitet, dann hört das der Fleischermeister natürlich. Aber er kann nicht anders. Er hat das Motto: „Was du nicht selber tust, das tut für dich kein anderer.“ (Lope de Vega) schon längst verinnerlicht und engagiert sich für sein Handwerk, aber auch politisch als Stadtratsmitglied. Wenn es Probleme gibt, braucht man ja erst mal jemanden, der sie äußert, auch das ist seine Devise.  Und wer gehört werden will, muss sich einbringen und das an verschiedenen Stellen. Deshalb engagiert sich der Greppiner Fleischermeister ehrenamtlich auch als Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes von Sachsen-Anhalt, als Obermeister der Fleischerinnung Bitterfeld und als Stellvertretender Kreishandwerksmeister.

Kritisch sieht er die enorme bürokratische  Belastung der kleinen Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. „Wenn ein Unternehmer sich jeden Tag zwei Stunden mit bürokratischen Verwaltungsaufgaben beschäftigen muss, um den gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden, dann macht auch das das Handwerk nicht gerade attraktiv!“, so Kohlmann. „Hier wurden - meiner Meinung nach - einfach Regelungen von der Industrie auf kleine Handwerksbetriebe übergestülpt. Das ist fatal.“ Dass sich Änderungen in der Politik nur langsam durchsetzen, weiß er. Trotzdem funktioniere die „Demokratie von unten nach oben.“ Kohlmann nennt sich selbst einen „Optimisten und Realisten“. Er setzt auf Gespräche mit seinen Berufskollegen bundesweit. „Die Industrie zieht viele Nachwuchskräfte ab, die dem Handwerk  einfach fehlen. Das ist so auch in den alten Bundesländern. Mit den Industrielöhnen kann kaum ein Handwerk mithalten“, konstatiert Kohlmann. Damit muss sich das Handwerk auseinandersetzen und der Jugend aufzeigen, was es anzubieten hat.

Eigene Wurstsorten

Der Fleischermeister setzt auch auf Eigenwerbung. Immer wieder kreiert er neue Wurstsorten. So zum Lutherjahr „Luthers Leberworscht“. Die hat Bundeskanzlerin Merkel im Sommer im Vorwahlkampf an der Goitzsche probieren können. Das Besondere an dieser Leberwurst ist  die Gewürzauswahl. „Die  Gewürze gab es so auch schon vor 500 Jahren. Die Leberwurst mit Bolle, Wurstkraut und  Ursalz  hat schon Luther gemundet“, sagt Klaus-Dieter Kohlmann. Seine Fleischerei nennt er auch eine „Wurstschmiede“. Mit seiner Erfindung der „Preußischen Dampfwurst“ hat er über die Landesgrenzen hinaus für Furore gesorgt. „Wir könnten ein Mehrfaches an unseren 60 bis 70 selbst hergestellten Wurstsorten noch umsetzen, wenn wir geeignetes Fachpersonal und Auszubildende hätten“, so der Fleischermeister.

Wegen des Fachkräftemangels ist die Fleischerei Kohlmann montags geschlossen. Vier Verkäuferinnen und zwei Fleischergesellen hat der Meister in seinem Team.  Für die Erfolgsgeschichte duale Ausbildung müssten sich mehr Erzähler finden, findet er. Dass zu viele junge Leute heute lieber studieren wollen als einen Handwerksberuf zu ergreifen, treibt den 61-Jährigen um. „Da müssen die Weichen von Politikseite aber auch Gesellschaft anders gestellt werden. Wer das Talent hat und einen Handwerksberuf ausübt, für den kann es das Lebensglück bedeuten“, sagt er resolut. Kohlmann wird nicht müde, die Verbandskollegen aufzufordern, mehr über ihre regionalen Spezialitäten zu reden und alle Medien dafür zu nutzen. „Auch wenn wir im Handwerk lieber ‚machen‘ als reden, müssen wir für unsere Handwerksberufe selbst werben!“  Erfreut zeigt sich Kohlmann von der Meistergründungsprämie. „Die war richtig und überfällig.“ Schon seit Jahren hat er sie als Landesinnungsmeister von Sachsen-Anhalt gefordert. Jetzt ist sie da.

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