Einsatz an der Ölbergkapelle neben dem Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg: Steinmetz Peter Beneke.
Handwerkskammer Magdeburg
Einsatz an der Ölbergkapelle neben dem Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg: Steinmetz Peter Beneke.

Handwerk & Kirche

500 Jahre nach der Reformation stellen wir Handwerker vor, die in, an oder für Kirchen arbeiten.

Teil 2 - Steinmetz Peter Beneke aus Magdeburg

Kennen Sie die Heilige Katharina von Magdeburg? Seit dem vergangenen Herbst thront die Skulptur auf einem frei stehenden Torbogen am Nordabschnitt des Breiten Wegs und erinnert an die Katharinenkirche, die hier mehr als 700 Jahre lang stand, bevor sie 1966 im Auftrag der DDR-Regierung abgerissen wurde. Das Katharinenportal rettete damals Hans Schuster, Chef des Denkmalpflegebetriebs Paul Schuster. Dessen Söhne Frank und Hans-Jörg, heute Geschäftsführer der Paul Schuster GmbH, haben es nun gemeinsam mit vielen Helfern wieder aufgestellt – ein Projekt mit großer Symbolkraft.

Die Skulptur der Heiligen Katharina fertigte ein Handwerker: der Steinmetz Peter Beneke, 1961 in Gardelegen geboren und seit der Lehre in diesem Denkmalpflegebetrieb beschäftigt. Die Kopie war eine Herausforderung, weil das Original nur eine Halbplastik ist. Mit handwerklichem Können, ganz viel Berufserfahrung, Kunstverstand und ein wenig Phantasie machte Peter Beneke innerhalb von sechs Wochen aus einem Steinblock eine ganze Frau.

Ein Foto von sich und seiner Katharina hoch oben auf dem Portal ist Benekes Profilbild bei WhatsApp: Sie mit wallendem Gewand und ihren Attributen Rad, Schwert, Palmzweig und Krone. Er ein wenig kleiner, in Arbeitskleidung, den Bauhelm ehrfürchtig in der Hand. Sehr eindrucksvoll, sehr einzigartig und doch irgendwie bescheiden – ein tolles Bild!

„Ich bin mit Leib und Seele Steinmetz“, sagt Peter Beneke und seine braunen Augen leuchten. Eigentlich hatte er Holzschnitzer werden wollen, doch aus Mangel an Lehrstellen und dank glücklicher Fügung kam er zum VEB Denkmalpflege Magdeburg, wo er 1977 in der Dombauhütte seine Ausbildung begann. Die körperlichen Voraussetzungen erfüllte er nicht. „Ich wog 60 Kilogramm, hatte dünne Arme und mein Lehrmeister meinte, dass aus mir wohl nie ein vernünftiger Steinmetz werden würde, eher ein guter Bildhauer“, berichtet Beneke lächelnd.

Er wurde ein vernünftiger Steinmetz und auch ein guter Steinbildhauer. Der Magdeburger Dom wurde sein Zuhause. Fast 30 Jahre lang arbeitete er, später auch als Vorarbeiter, an der ältesten gotischen Kathedrale auf deutschem Boden und wohnte auch lange Zeit mit seiner Familie unmittelbar daneben, im Remtergang 1. „Im Dom bin ich beruflich groß geworden, dort kenne ich jeden Stein“, sagt er. Restauriert hat er in seinen 40 Berufsjahren auch unzählige andere Bauwerke, die Liebfrauenkirche in Halberstadt etwa, das Schloss Wernigerode, den Potsdamer Cecilienhof oder das Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg.

Und auch der Steinbildhauer Peter Beneke hat viele Spuren hinterlassen: am Burger und am Magdeburger Roland, an der Moritzburg Halle, am Kulturhistorischen Museum Magdeburg, an der Schlosskirche Wittenberg. Doch der Dom bleibt sein Lieblingsobjekt. „Der ist das Highlight für jeden Steinmetz“, sagt Beneke.

Für den Atheisten Peter Beneke sind Kirchen faszinierende Bauwerke - nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Ich liebe Romanik und Gotik, aber auch Barock und Renaissance haben ihre Reize“, sagt er und schwärmt von den Feldstein- und Fachwerkkirchen in seiner altmärkischen Heimat. Dass ein so leidenschaftlicher Handwerker an der Berufskrankheit Silikose leidet und deshalb nur noch eingeschränkt arbeiten kann, ist sehr traurig - für den Menschen Peter Beneke und für das Steinmetzhandwerk. Er bleibt optimistisch und wird nicht müde, Werbung für sein Handwerk zu machen. Peter Beneke: „Einen schöneren Beruf kann ich mir nicht vorstellen.“

Kontakt: www.paul-schuster.de