(v. l.) Claudia Birger (Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Halberstadt), Sabine Wölfert (Koordinatorin ZaA Handwerkskammer Magdeburg), Monika Wilke (Fachbereichsleiterin der KoBa Jobcenter Landkreis Harz), Kathrin Buchholz (MA der Pressestelle KoBa Jobcenter Landkreis Harz), Fred Martin Höller (Geschäftsinhaber der Möbeltischlerei Fred Martin Höller in Halberstadt).
Arbeitsagentur Halberstadt
(v. l.) Claudia Birger (Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Halberstadt), Sabine Wölfert (Koordinatorin ZaA Handwerkskammer Magdeburg), Monika Wilke (Fachbereichsleiterin der KoBa Jobcenter Landkreis Harz), Kathrin Buchholz (MA der Pressestelle KoBa Jobcenter Landkreis Harz), Fred Martin Höller (Geschäftsinhaber der Möbeltischlerei Fred Martin Höller in Halberstadt).

"Assistierte Ausbildung" sichert Nachwuchs und Berufsabschluss

Wer heute ausbildet, sichert sich seine Fachkräfte von morgen und bleibt langfristig wettbewerbsfähig. Doch mittlerweile lassen sich freie Ausbildungsstellen nicht immer sofort besetzen. Aktuell stehen Jugendlichen etliche freie Ausbildungsplätze zu Verfügung. Oftmals erfüllen Bewerber jedoch leider nicht die Anforderungen der Betriebe. Deshalb wird es für viele Unternehmen immer schwieriger, geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Gerade in Zeiten von fehlenden Nachwuchs und stagnierenden Bewerberzahlen bietet der Arbeitsmarkt dennoch einige bislang ungenutzte Potentiale. Jugendliche ohne oder mit schwachem Schulabschluss, Jugendliche mit Migrationshintergrund – sie alle haben oft mehr drauf, als es auf den ersten Blick scheint. Denn nicht immer spiegeln sich ihre Kompetenzen in Schulnoten und Zeugnissen wider. „Gerade vermeintlich schwächere Jugendliche brauchen eine Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Deshalb appellieren wir an die Harzer Unternehmen, diese jungen Menschen bei ihren ersten Schritten ins Berufsleben zu unterstützen. Hier setzt unser Förderinstrument der Assistierten Ausbildung – kurz AsA − an. Während die Unternehmen diese jungen Menschen in ihrem Betrieb ausbilden, werden sie von einem durch die Arbeitsagentur beauftragten Bildungsträger intensiv und kontinuierlich unterstützt. Die Maßnahmekosten werden dabei vollständig durch uns getragen“, informiert Heike Schittko, Chefin der Halberstädter Arbeitsagentur.   

Die Assistierte Ausbildung schließt die Lücke zwischen den Anforderungen der Betriebe und den Kenntnissen und Fähigkeiten, die die Jugendlichen mitbringen. Sie flankiert die reguläre Berufsausbildung durch passgenaue Vorbereitung und Unterstützung und geht gleichermaßen auf die Bedürfnisse der Auszubildenden und der Betriebe ein, damit eine Ausbildung erfolgreich gemeistert wird.

Landesprogramm „Zukunftschance assistierte Ausbildung“ (ZaA) unterstützt

Das Landesprogramm „Zukunftschance Assistierte Ausbildung“ ergänzt das Förderangebot der Assistierten Ausbildung. Mit dessen Hilfe werden Jugendliche mit schwierigen Ausgangsbedingungen und hohem Förderbedarf durch entsprechende Vorbereitung und intensive sozialpädagogische Begleitung darin unterstützt, erfolgreich eine reguläre Ausbildung zu absolvieren. Die Betreuung erfolgt hierbei ganzheitlich und individualisiert durch einen Bildungsträger als zentrale Kontakt- und Anlaufstelle, sowohl für den Jugendlichen, als auch den ausbildenden Betrieb. 

Das Landesprogramm wird in Kooperation vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration und der Bundesagentur für Arbeit umgesetzt. Dabei werden bei den gewerblichen Kammern, als wichtiges Bindeglied zur Wirtschaft, Koordinatoren eingesetzt, die die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure stärken soll. Zudem werden den Unternehmen Angebote zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und zur Unterstützung in der pädagogischen Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen, z. B. zusätzliche Coachingangebote  für die Arbeit mit Jugendlichen unterbreitet. Dabei werden insbesondere Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung in einem geschlechtsuntypischen Beruf entschieden haben, Mobilitätsprobleme, einen Migrationshintergrund oder ein Handicap haben, intensiv unterstützt.

Halberstädter Handwerksunternehmen und dessen Azubi profitieren von Förderung

Auch der Halberstädter Handwerksmeister Fred Martin Höller mit seiner Möbeltischlerei profitiert von dem Förderangebot der Arbeitsagentur und dem Land Sachsen-Anhalt. Der bodenständige Handwerksbetrieb, bei dem Qualität an erster Stelle steht, fertigt u. a. Möbel, Türen und Treppen nach individuellen Kundenwünschen an. Als Meisterbetrieb steht der Firmenchef mit seinen langjährigen Mitarbeiter für Präzision und Gewissenhaftigkeit. Hierfür benötigt das Handwerksunternehmen jedoch gut ausgebildeten Nachwuchs. Aber gerade das Handwerk hat es zunehmend schwerer, Bewerber zu finden. Ein Glücksfall für den 22-jährigen Halberstädter Lucas Blanke.

Als Sohn eines Handwerkers wurde bereits früh sein Interesse am Umgang mit Werkzeugen und Naturmaterialien geweckt. Schon während seines Schulbesuches am Halberstädter Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte reifte sein Wunsch, einen handwerklichen Beruf auszuüben. Nach dem Erwerb seines Realschulabschlusses begann er eine Ausbildung zum Tischler. Der Berufsschulunterricht fand jedoch in Essen statt. Dort hatte man nicht immer ein offenes Ohr für seine Probleme und Sorgen im Ausbildungsbetrieb. Zudem fehlte ihm oftmals ein Ansprechpartner zur Unterstützung, so dass er nach einem Jahr aus persönlichen Gründen einen Schlussstrich zog.

Danach versuchte er einen neuen Berufsstart in der Ausbildung zum Physiotherapeuten, die leider ebenfalls fehlschlug. Das Handwerk fehlte einfach.

Eine zweite Chance hierfür bekam Lucas durch ein Praktikum bei der Möbeltischlerei Höller. Hier fand er einen verständnisvollen Ausbilder, der mit Geduld und Einfühlungsvermögen, das Potential des jungen Mannes erkannte und mit Lucas einen Ausbildungsvertrag abschloss.

Parallel dazu erhielt Lucas durch seine zuständige Reha-Beraterin der Arbeitsagentur und den Projektträger (VHS-Bildungswerk) Informationen zum Projekt „Zukunftschance assistierte Ausbildung“, um ihn diesmal von Anfang an unterstützen und auf seinem Ausbildungsweg begleiten zu können.

Mit der Unterstützung durch das Landesprogramm absolviert Lucas seit dem 1. August 2016 erfolgreich seine Ausbildung zum Tischler. So erhält er im Rahmen von ZaA Unterstützung durch einen Ausbildungsbegleiter und eine Lehrkraft, welche ihn durch individuell abgestimmte Austausch- und Lernangebote während der Ausbildungszeit fördern. Lucas nimmt regelmäßig am Stütz- und Förderunterricht teil, um Defizite des Berufsschulunterrichts auszugleichen, persönliche Belange anzusprechen.

Durch die enge Zusammenarbeit von Azubi, Ausbildungsbetrieb, der Koordinatorin der Handwerkskammer Magdeburg, Projektträger und Arbeitsagentur konnte so der Weg zum erfolgreichen Berufsabschluss geebnet werden.

„Ich wünsche mir, dass noch mehr Arbeitgeber junge Menschen mit ihren Potentialen sehen, so wie Herr Höller. Um Defizite in der Ausbildung auszugleichen, kann die assistierte Ausbildung bzw. die Zukunftschance assistierte Ausbildung passgenau auf die Bedürfnisse der Jugendlichen und der Betriebe zugeschnitten werden“, weiß Schittko und wirbt für mehr Inanspruchnahme dieser Fördermöglichkeiten.

Eine Win-win-Situation für beide Seiten

Bei der Einstellung eines Bewerbers über die assistierte Ausbildung kann der Aufwand, vor allem für kleine Handwerksunternehmen, minimiert werden. Unternehmen werden während der gesamten Ausbildungszeit begleitet und unterstützt. Andererseits kann Jugendlichen bei Schwierigkeiten frühzeitig geholfen werden, wie z. B. mit Alltagshilfen im Betrieb, Lernförderung oder Prüfungsvorbereitung. Regelmäßige Gespräche mit allen Beteiligten im Betrieb bauen Vertrauen auf.

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 38 Jugendliche durch die assistierte Ausbildung der Halberstädter Arbeitsagentur unterstützt.

Quelle: Agentur für Halberstadt

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Julia Henkel
Assistentin "Zukunftschance assistierte Ausbildung"

Tel. 03916268-152
Fax 03916268-110
jhenkel--at--hwk-magdeburg.de



Die Kammerkoordinierung Zukunftschance assistierte Ausbildung wird gefördert durch:

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