Konjunkturabsturz im Handwerk, Corona-Krise zwingt viele Unternehmen in die Knie

Mitteilung an die Medien

Die Konjunkturlage im Handwerk im Kammerbezirk Magdeburg ist tief gezeichnet von den Auswirkungen der Corona-Krise. Der Geschäftsklimaindex liegt bei 67 Punkten und damit so niedrig wie seit 2005 nicht mehr. Vor allem die negativen Erwartungen für das sonst arbeitsreiche Sommerquartal zeigen die Dramatik der Lage: Fast die Hälfte der Betriebe erwartet eine Verschlechterung für das zweite Jahresquartal. Das ist das Ergebnis der Frühjahrskonjunkturumfrage der Handwerkskammer Magdeburg. 

Besonders im Handwerk für den persönlichen Bedarf und im Gesundheitshandwerk ist die Geschäftslage sehr schlecht. Viele Betriebe aus diesen Bereichen mussten ihre Ladengeschäfte am 23. März schließen. In den Bauhandwerken konnte zumeist unter Auflagen weitergearbeitet werden. Zwar waren auch hier Einschränkungen durch den Ausfall von Mitarbeitern, Auftragsstornierungen und Materialengpässe zu spüren, aber insgesamt war die Lage im vergangenen Quartal noch für mehr als die Hälfte „gut“. Im Kfz-Handwerk berichtet derzeit noch knapp ein Drittel von einer guten Lage und mehr als ein Fünftel von einer schlechten – auch hier mussten die Verkaufsräume vorübergehend geschlossen werden, während das Werkstattgeschäft weitergeführt werden durfte. 

„Noch nie blickte das Handwerk in unserem Kammerbezirk so negativ in die Zukunft“, sagt Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg und fordert deshalb: „Alle Unternehmen, die die spezifischen Hygiene- und Abstandsregelungen realisieren, müssen ihren Geschäftsbetrieb möglichst rasch wiederaufnehmen können.“ Dazu gehören u.a. die Friseur-, Kosmetik- und Fußpflegesalons sowie die Cafés und Imbisse des Lebensmittelhandwerks. Außerdem brauche das Handwerk dringend eine erweiterte Kindernotbetreuung unabhängig von der Handwerksbranche für Familien, in denen keine Betreuung durch Familienangehörige möglich ist. „Unser Personal ist unsere Arbeitsgrundlage“, so Hagen Mauer. Mit Blick auf die zukünftige Fachkräftesicherung sei auch die berufliche Aus- und Weiterbildung sicherzustellen. „Dafür müssen die Bildungseinrichtungen des Handwerks schnellstmöglich wieder öffnen“, sagt der Präsident. 

„Es geht um die nackte Existenz unserer Betriebe. Solange sie unter massiven, Corona-bedingten Problemen leiden, bleiben die bisherigen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung unverzichtbar und müssen nachjustiert werden“, ergänzt Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Um Insolvenzen zu vermeiden, müsse z. B. der Verdienstausfall von Kleinunternehmern durch Zuschüsse zum Lebensunterhalt minimiert werden und sollten Betriebskosten-Zuschüsse auch an Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern fließen. „Es gilt, die Wirtschaftsdynamik durch zielgerichtete Nachfrage- und Investitionsimpulse zu stärken und zu beschleunigen, dazu zählt u.a. eine verstärkte Investition der öffentlichen Hand. Wir sollten nicht vergessen: Vor allem in Sachsen-Anhalt mit seiner kleinteiligen Wirtschaftsstruktur und ländlicher Prägung ist und bleibt das Handwerk maßgeblicher Versorger in allen Bereichen des Lebens“, so Grupe. 

Weitere Umfrageergebnisse: 

Die aktuelle Lage spiegelt sich auch in der Beschäftigung wieder. Der Saldo aus Beschäftigungszuwachs und -abbau zeigt sich im Gesamthandwerk mit sieben Punkten negativ. Es haben mehr Betriebe die Zahl der Beschäftigten reduziert (12 Prozent) als erhöht (5 Prozent). Vor allem die negativen Erwartungen zur Beschäftigungsentwicklung, mit einem Saldo von minus 14 Punkten, erschrecken in einem Frühjahrsquartal, das sonst eher von einer Aufbruchsstimmung geprägt ist. Die Mehrheit von 80 Prozent hofft aber den Personalbestand konstant halten zu können. 

Corona-Sonderumfrage: 

In einer Umfrage des Zentralverbandes des deutschen Handwerks wurden auch Handwerksbetriebe aus dem Kammerbezirk Magdeburg zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf ihren Geschäftsbetrieb befragt. In der ersten Umfrage gaben 90 Prozent der Befragten an, von den Auswirkungen betroffen zu sein. 82 Prozent waren von einem Umsatzrückgang betroffen, 60 Prozent von Auftragsstornierungen. Aber auch das Fehlen von Personal (38 Prozent) und das Fehlen von Material (26 Prozent) wurde benannt. Ein Viertel war von behördlichen Betriebsschließungen betroffen. Besonders betroffen von Umsatzrückgängen sind die Berufe aus dem Handwerk für den persönlichen Bedarf und auch die Gesundheitshandwerke. Aber auch im Kfz- Handwerk und in den Bäcker- und Fleischerbetrieben kam es bei vielen zu Umsatzausfällen. 

73 Prozent erachteten einen nicht rückzahlbaren Zuschuss als hilfreiche Unterstützungsmaßnahme, was sich auch in der dritten Befragung nicht änderte. Während Steuerstundungen und Erleichterungen bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld im Vergleich zur ersten Befragung etwas an Bedeutung verloren. Laut der ersten Befragung planten 65 Prozent Kurzarbeitergeld zu beantragen; zur zweiten Befragung hatten dies bereits 44 Prozent getan. Ein Viertel davon gab an, dass die Prüfung schnell und unbürokratisch erfolgte. Stundungen auf Steuerzahlungen beantragten nur 12 Prozent der Befragten. In der dritten Befragungsrunde gaben das 15 Prozent an. 

Kammerbezirkszahlen: 

Im Handwerk im Kammerbezirk Magdeburg waren am 31.03.2020 12.138 Betriebe eingetragen. Das entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten im Handwerk ist mit ca. 67.500 leicht gesunken. Bei den Auszubildenden (derzeit 3.679) gab es ebenfalls einen Rückgang. 2019 erwirtschaftete das Handwerk im Kammerbezirk Magdeburg einen Umsatz von etwa 7,2 Mrd. Euro. Das ist ein Plus von 4 Prozent. Die Prognosen für 2020 deuten auf einen deutlichen Rückgang hin. 

Geschäftslage nach Landkreisen: 

  • Im Landkreis Stendal lag der Geschäftsklimaindex im Frühjahr 2020 bei 74; im Vorjahr bei 91.
    Am 31.03.2020 waren hier 1.502 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Altmarkkreis Salzwedel lag der Geschäftsklimaindex im Frühjahr 2020 bei 66; im Vorjahr bei 93. 
    Am 31.03.2020 waren hier 1.142 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Landkreis Börde lag der Geschäftsklimaindex im Frühjahr 2020 bei 74; im Vorjahr bei 93.
    Am 31.03.2020 waren hier 2.131 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • In der Landeshauptstadt Magdeburg lag der Geschäftsklimaindex im Frühjahr 2020 bei 55; im Vorjahr bei 95.
    Am 31.03.2020 waren hier 2.110 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Landkreis Jerichower Land lag der Geschäftsklimaindex im Frühjahr 2020 bei 66; im Vorjahr bei 92.
    Am 31.03.2020 waren hier 1.245 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Salzlandkreis lag der Geschäftsklimaindex im Frühjahr 2020 bei 64; im Vorjahr bei 94.
    Am 31.03.2020 waren hier 1.543 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Landkreis Harz lag der Geschäftsklimaindex im Frühjahr 2020 bei 67; im Vorjahr bei 94.
    Am 31.03.2020 waren hier 2.465 Handwerksbetriebe eingetragen. 

Anlagen:

Konjunkturbericht

Foto zum honorarfreien Abdruck, Bildquelle: Aktion Modernes Handwerk