Tischlermeister Christoph Timme in seiner Tischlerei in Eilsleben im Landkreis Börde.
Dan Tebel
Tischlermeister Christoph Timme in seiner Tischlerei in Eilsleben im Landkreis Börde.

Alles unter einem Dach

Wie die Tischlerei Timme in Eilsleben die traditionsreiche Bau- und Kunstglaserei Hermann Böhme aus Magdeburg übernahm

Schon wer über das Betriebsgelände der Tischlerei Timme in Eilsleben wandelt, spürt eine gewisse Altehrwürdigkeit. Gemütliche Räume in den Gebäuden, knarzige Türen, aber insgesamt viel Platz für viele Möglichkeiten. Sicher war aber auch dieser gewisse Charme dieses Ortes, der Tischler- und Rahmenglasermeister Rüdiger Timme 1972 überzeugt hat, mit seinem sieben Jahre zuvor im nahegelegenen Barneberg gegründeten Betrieb auf den ehemaligen Bauernhof in Eilsleben zu ziehen.

Seitdem hat sich dort vieles entwickelt. Stück für Stück wurde der Hof an die Anforderungen der Tischlerei angepasst. Ein Neubau nach der Wende, im Nebengelass ist ein Tischlereimuseum entstanden. Hier wird nicht nur das Alte aufbewahrt und gewürdigt. Abseits vom Anfertigen moderner Fenster, Türen und individueller Möbel wird bei der Tischlerei Timme seit jeher auch das Alte immer wieder neu erschaffen.

Mittlerweile hat sich die Produktionsfläche fast verdoppelt. 12 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende, arbeiten derzeit in der Tischlerei. Eine Erfolgsgeschichte, die auch Rüdiger Timmes Sohn Christoph, der nach der Lehre beim Vater kurz vor der Wende letztendlich 2007 das Zepter des Betriebes übernahm, mitträgt. „Alles, was mir Spaß macht, habe ich in diesem Gewerk gefunden. Die vielseitige Arbeit am und mit dem Holz hat mich schon immer fasziniert“, erklärt der Vater von drei Kindern zufrieden.



„Alles, was mir Spaß macht, habe ich in diesem Gewerk gefunden. Die vielseitige Arbeit am und mit dem Holz hat mich schon immer fasziniert.“

Christoph Timme

Timme, Christoph - Betriebsporträt
Handwerkskammer Magdeburg



Hinter den steinernen Fassaden mitten im Ortskern der kleinen Gemeinde im Landkreis Börde verbirgt sich aber nicht nur ein Handwerksbetrieb mit Erfolgsgeschichte, sondern mittlerweile auch ein Zentrum gebündelter Handwerkskunst. Denn der 50-jährige Christoph Timme, der auch seit Jahren aktiv an Aufbauprojekten in Afrika beteiligt ist, hat sich an etwas Neues herangetastet – seit Anfang des Jahres gehört ihm neben der Tischlerei auch eine Glaserei. Christoph Timme hat aber nicht etwa neugegründet, sondern einen ehrwürdigen, traditionellen Handwerksbetrieb übernommen: die Magdeburger Kunstglaserei Hermann Böhme.

In vierter Generation führte Claus-Hermann Böhme als ehemaliger stellvertretender Obermeister der Glaserinnung seit 1987 bis zum vorigen Jahr den Familienbetrieb, der sich vor allem auf Bleiverglasungen, Glasmalerei und Kunstobjekte spezialisiert hat. Diese Glaserei ist ein wichtiges und originales Stück Handwerksgeschichte in Magdeburg und kann auf mehr als 150 Jahre Bestand zurückblicken. 1863 gab es die erste Werkstatt in der Landeshauptstadt, zwei Weltkriege hat die Bau- und Kunstglaserei überstanden, bis sie nun letztendlich an der Hürde der Nachfolge zu scheitern drohte. Zwei Lehrlinge gab es in den vergangenen Jahrzehnten, Nachfolger ließen sich nicht finden, aber Claus-Hermann Böhme, selbst schon lange im Rentenalter, hielt auch im Hinblick der Würdigung seiner Vorgänger und dieses traditionellen Handwerks daran fest, dass es weitergehen muss.

Und 2021 sollte es das auch. Die Zusammenarbeit zwischen Timme und Böhme wurde bereits zuvor durch gemeinsame Restaurierungen gefestigt, denn Christoph Timme ist auch Restaurator im Tischlerhandwerk. Zudem bildet der Nachbau historischer Fenster und kunstvoller Türen einen Aufgabenschwerpunkt in der Tischlerei des Eilslebers und so kam eines zum anderen. Unter Mithilfe der Betriebsberatung der Handwerkskammer Magdeburg wurden alle Schritte zur Übernahme bzw. Rettung besprochen und das Projekt letztendlich auch umgesetzt. In einem ehemaligen Lagerraum der Tischlerei wurde Platz für die kleine Glaser-Werkstatt geschaffen. Nach einem guten Jahr Planung und Organisation folgte der Einzug und bereits wenige Monate später ist die Wohlfühlatmosphäre dort spürbar. Zwischen dem Magazin mit wohl Hunderten unterschiedlichen Gläsern und alten Kirchenfenstern, die auf ihre Restauration warten, haben auch einige bildhafte Erinnerungen vergangener Projekte ihren Platz an der Wand gefunden.

Tischlermeister Christoph Timme und Kunstglaserin Michaela Teifel arbeiten an einem Projekt.
Dan Tebel
Tischlermeister Christoph Timme und Kunstglaserin Michaela Teifel arbeiten an einem Projekt.

Bis aber alles endgültig dort ist, wo es auf lange Sicht hinsoll, wird es wohl noch einige Zeit dauern“, erklärt die einzige Mitarbeiterin Michaela Teifel mit einem Lächeln. Und trotz der Umstellung: Die engagierte und lebensfrohe Bleiglaserin/Kunstglaserin lebt ihr Handwerk und ist froh, dass es weitergeht. Wichtige Unterstützung, gerade auch im Hinblick auf die Expertise, gibt es natürlich von Claus-Hermann Böhme noch immer und regelmäßig, wie ihr neuer Betriebschef Christoph Timme berichtet. Was die Zukunft bringt, bleibt spannend.

Denn wenn zwei Gewerke am gleichen Ort wirken, gibt es natürlich auch Möglichkeiten für gemeinsame Projekte. Ein solches Werk ist sogar schon entstanden: Für die Kirche in Eggersdorf im Salzlandkreis ist in Eilsleben ein neues Altarkreuz produziert worden. Ein moderner Kunstentwurf - aus Holz und Glas.



Von Dan Tebel

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