Mick Hennig stemmt aktuell alle Aufträge noch in Eigenregie, das soll sich aber bald schon ändern.
Anne-Kristin Gotot
Mick Hennig stemmt aktuell alle Aufträge noch in Eigenregie, das soll sich aber bald schon ändern.

Einer, der kam und gründete

Mick Hennig nutzte die Gründer-Beratung der Handwerkskammer Magdeburg und legte dann richtig los.

Maßscheider Mick Hennig hat 2020, mitten im Corona-Jahr, sein Unternehmen „Die Näherei“ in Groß Quenstedt gegründet. Die erste Zeit verbrachte er mit der Herstellung von etwa 15.000 Corona-Schutzmasken. Heute erhält er Kundenaufträge aus ganz Deutschland und arbeitet mit Labels wie Fugo Store München zusammen. „Hier entstehen aktuell Herrenhemden in Serienproduktion“, so Hennig. Die Umsetzung solcher Projekte lässt sich natürlich nicht im kleinen Kämmerchen realisieren. Mick Hennig baut Haus und Hof der Familie um, damit die vielen Industriemaschinen und später auch Mitarbeiter darin Platz finden.

Doch so war es ursprünglich gar nicht gedacht, Groß Quenstedt sollte eigentlich nur ein Zwischenstopp sein. Der in Ingolstadt geborene Mick Hennig verbrachte einige Jahre in Süddeutschland, bevor es die Familie zurück in die Heimatregion des Vaters nach Groß Quenstedt zog. Während eines Schülerpraktikums in Wernigerode lernte er das Damen-Maßschneiderhandwerk kennen. „Ich war begeistert, seitdem wollte ich Maßschneider werden“, berichtet Hennig. Es folgten weitere Ferienjobs in diesem Betrieb, die dann 2014 in einer Ausbildung mündeten. Via „Gastschülerantrag“ besuchte er die Berufsschule in München. „Hier hatte ich ja zum Glück noch Verwandtschaft“, so Hennig. Doch die Ausbildung im Betrieb lief für ihn nicht optimal. „Ich wollte einfach nähen, das Geschäft ging aber eher in Richtung Brautmodenverkauf“, so Hennig. Er brach die Ausbildung ab. Durch eine Empfehlung bewarb er sich bei der Bayrischen Staatsoper als Herrenmaßschneider. Die Zusage kam.

Dies bedeutete aber noch einmal ganz von vorne anzufangen – drei Jahre Ausbildung. „Die Herrenmaßschneider-Ausbildung war noch viel umfangreicher, aber auch spannender für mich,“ erzählt Hennig. Diesmal lief es richtig gut, den Abschluss legte er mit Bravour hin und wurde sogar 2. Landessieger seines Gewerks in Bayern. Danach blieb er noch eine Weile an der Staatsoper.

In ihm wuchs aber bereits der Wunsch noch mehr zu lernen. „Ich möchte ein Meister werden“, sagt er entschlossen. Er geht den Schritt, lässt München hinter sich und meldet sich für die Meisterschule in Dresden an. Doch Corona funkt dazwischen und verschiebt den Start der Meisterausbildung bis heute immer wieder. Kurzerhand entschließt er sich zu einem Zwischenstopp in Groß Quenstedt, um Familie und Freunde zu besuchen und sich in der „Wartezeit“ beruflich neu zu orientieren.











"Es lohnt sich, hier zu gründen!"

Mick Hennig





Porträt Massschneider Hennig 2021
Anne-Kristin Gotot



Sein Begabtenstipendium setzte er dann für den AdA-Schein im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Magdeburg ein. Er zog immer größere Kundenaufträge an Land. Für ihn stellte sich die Frage: „Warum sollte ich mich noch einmal anstellen lassen, wenn ich es selbst machen kann?“ Er wollte bei diesem Vorhaben aber auf Nummer sicher gehen und holte sich Hilfe bei der Handwerkskammer Magdeburg. „Ich hatte noch keinen richtigen Plan, wie ich starten sollte“, gesteht er. Gemeinsam änderte sich das. Er erhielt Einblicke, welche Kosten als Betriebsinhaber auf ihn zukommen werden und wo es Fallstricke, aber auch Förderung gibt. Am Ende entstand ein Business-Plan mit Hand und Fuß. „Die Näherei“ war geboren „Ich habe keine Laufkundschaft, Leute finden mich nur online“, so Hennig heute. Sein Geschäft in Groß Quenstedt wächst. „Es lohnt sich hier zu gründen“, so Mick Hennig.

 

Von Anne-Kristin Gotot

Mehr erfahren:

"Die Näherei"
Inhaber: Mick Hennig
Kurze Straße 2
38822 Groß Quenstedt
 0172 34 59 276
 info@die-naeherei.de
 www.die-naeherei.de
 die_naeherei_deutschland
  dienaehereigermany