Meister made in Magdeburg 2026Elektrotechnikermeisterin Sophie Christin Lochmann: Junge Meisterin mit klarer Vision
Von Weitem winkt ein Mann im blauen Overall an der Ecke des Elektrobetriebs Elektro‑Lochmann in Magdeburg‑Fermersleben. Erst aus der Nähe wird klar: Der „Kollege“ ist Street Art. Hinter dem Tor setzt sich das Graffiti fort – und drinnen öffnet die Sophie im schwarzen Overall mit einem freundlichen Lächeln die Tür.
Sophie, Jahrgang 1996, wollte eigentlich zur Polizei. Nach dem Abitur begann sie ein BWL‑Studium in Magdeburg. Später bewarb sie sich bei der Polizei, wurde angenommen – bis zwei Wochen vor Ausbildungsstart ein Sprunggelenkbruch alles stoppte. „Da musste ich erstmal wieder auf die Beine kommen“, sagt sie.
Gut, dass Sophie in einer Handwerkerfamilie groß geworden ist. Im Betrieb der Eltern konnte sie mitarbeiten, während sie sich neu sortierte. Und merkte: „Das liegt mir. Und das macht mir Spaß.“ Mit 24 entschied sie sich für die Ausbildung zur Elektronikerin im Betrieb ihres Vaters. Was sie am Beruf liebt? Die Abwechslung – und dass am Ende sichtbar wird, was man geschafft hat. Außeneinsätze gehören dazu: mal im Keller, mal im Tunnel, mal in einer fremden Wohnung. „Das ist schon ziemlich cool.“
Sophie kann sich vorstellen, den Familienbetrieb einmal zu übernehmen – und ging den nächsten Schritt direkt an: die Meisterausbildung. Sie erinnert sich an eine intensive Zeit und eine starke Gemeinschaft. Besonders begeistert hat sie die Steuerungstechnik. „Ich habe bis in die Nacht programmiert“, erzählt sie. Im Berufsbildungszentrum (BBZ) der Handwerkskammer Magdeburg fühlte sie sich gut unterstützt: „Ilona Gäckle und Steffen Mäter waren Gold wert.“
Das Meisterstück passt zu ihr: eine Bootsgarage mit Zugangserkennung und Luftqualitäts‑Überwachung, inspiriert vom Hafen am Müritzsee. Um die Idee greifbar zu machen, baute sie ein Lego‑Modell. Zur Prüfung durfte „Hippo“, ihr Glücksbringer‑Kuscheltier, nicht fehlen – bestanden hat sie mit Können und Ausdauer.
„Ich habe den Meister auch wegen des Respekts gemacht“, sagt sie. Auf der Baustelle sei das Gespräch schneller auf Augenhöhe, wenn klar ist: Meisterin. Zuhause wartet die Urkundenwand – nach Ur‑Opa, Opa und Papa nun bald auch sie. Und mit dem Meistertitel kam der erste eigene Azubi. Sophie setzt auf nachhaltiges Lernen: wiederholen, erklären, Zusammenhänge verstehen. „Nicht nur machen, sondern verstehen.“
Wenn sie nicht im Overall unterwegs ist, steht sie im Verein auf dem Fußballplatz oder macht privat gern eine Bootsfahrt. Im Sommer wartet außerdem die Hochzeit – und im Betrieb der nächste Auftrag.
Alena Renner