Meister made in Magdeburg 2026Friseurmeisterin Jennifer Lünecke: Auf Umwegen zum Traumberuf
„Eigentlich wusste ich das schon immer, dass ich das bin“, sagt Jennifer Lünecke, frisch gebackene Friseurmeisterin aus Haldensleben, und strahlt über das ganze Gesicht. Die heute 30-Jährige war in den Friseursalons ihrer Eltern aufgewachsen und fand es dort toll. Auch hatte sie ihren Freundinnen immer die Haare gemacht und das geliebt.
Doch da der Friseur-Beruf keine guten finanziellen Perspektiven bot, entschied sie sich nach dem Realschulabschluss 2012 für eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. In der Stadtverwaltung fand sie jedoch nie so richtig ihre Erfüllung.
Weihnachten 2020 eröffneten ihre Eltern Jennifer dann, dass sie ihr Geschäft in absehbarer Zeit an einen Nachfolger übergeben würden. 1993 hatten Sandra und Kai Lünecke in Haldensleben ihren ersten Friseursalon eröffnet. Als Meisterin war Sandra für die Kunden zuständig, Kai kümmerte sich um Buchführung und Bestellungen. „Wir wollten immer unser eigenes Ding machen und nutzten nach der Wende die Chance dafür“, erzählt Kai Lünecke. Zwischenzeitlich führten sie drei Salons, in der Spitze mit 21sechs Mitarbeiter inklusive Azubi. Angestellten. Aktuell hat „SL – Ihr Friseur“ in der Einkaufsstraße sechs Mitarbeiter inklusive Azubi.
Jennifer, mittlerweile selbst Mutter einer Tochter, war beim Thema Nachfolge sofort Feuer und Flamme, und machte Nägel mit Köpfen: 2021 begann sie die Ausbildung bei ihren Eltern. „Die Lehre war toll, die Stimmung war gut, ich durfte von Anfang an mit ran und hatte nie das Gefühl, dass ich zur Arbeit muss.“
Ein gutes Jahr nach Ende ihrer Lehre absolvierte sie in Vollzeit die Meistervorbereitung im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Magdeburg. Im betriebswirtschaftlichen Teil und der Ausbildung der Ausbilder konnte sie Wissen aus ihrem ersten Beruf nutzen. In der Fachpraxis und der Fachtheorie lernte sie Ausbilderin Simone Fechtner sehr zu schätzen. „Sie hat uns ganz viel beigebracht und super auf die Prüfungen vorbereitet“, strahlt Jennifer.
Die Meisterschule neben Kind, Haus und Geschäft zu wuppen, war schon eine Herausforderung. Doch Ehemann, Eltern und Freunde unterstützten, Jennifer meisterte auch die zwei praktischen Prüfungstage Ende Februar 2026 und ist jetzt Friseurmeisterin.
„Begleitetes Führen“ nennt Kai Lünecke augenzwinkernd das, was derzeit interfamiliär läuft. Schon 2027 wird er sich aus der Geschäftsführung zurückziehen, seine Frau tritt bereits jetzt kürzer. Die Zukunft kann beginnen. Jennifer Lünecke arbeitet sich ein, bringt frische Ideen in den Salon – neue Farbtechniken, Kosmetik-Angebote, Typberatung – und hört nicht auf, von ihrem Beruf zu schwärmen: „Ich kann die Menschen glücklich machen, was gibt es Schöneres.“
Anja Gildemeister