Thomas Ertmer/Handwerkskammer Magdeburg

Meister made in Magdeburg 2026Gerüstbaumeister Enrico: "Gerüstbau ist mein Leben"

Enrico „Enno“ Kauschke ist Handwerker durch und durch. 1987 in Bad Schlema im Erzgebirge geboren, jobbte er schon mit 14 auf Baustellen. Er machte den Realschulabschluss in Zwönitz und dann eine Ausbildung zum Kanalbauer. Auch beim Zivildienst im Stadtbauhof blieb er dem Bau treu. „Ich arbeite gerne draußen“, sagt Enrico, der heute in Hartha in Mittelsachsen lebt.

Nach fast zehn Jahren im Erdreich wechselte er in luftigere Gefilde: Bei einer Firma aus Lugau fing Enrico als Gerüstbauer an und lernte von seinen Kollegen. „Wir waren ein tolles Team, haben super harmonisiert“, sagt Enno und schwärmt vor allem vom „Bodenmann“, der immer ganz ohne Worte genau wusste, wann welche Teile nach oben zu reichen waren.

Das Gerüstbauerhandwerk war genau sein Ding. Augenmaß, räumliches Vorstellungsvermögen, Sorgfalt und körperliche Fitness brachte er mit. Ratsche, Hammer, Wasserwaage und Maulschlüssel wurden zu seinen Werkzeugen, Helm und Gurt zum Arbeitsoutfit.

Thomas Ertmer/Handwerkskammer Magdeburg

Enno nutzte jede Qualifizierungschance: 2019 wurde er in Dortmund Geprüfter Gerüstbau-Monteur, 2023 Geprüfter Gerüstbau-Montageleiter. 2024 kam er ins ÜAZ im Magdeburger Lorenzweg, wo sich seit 2022 die Aus- und Fortbildung für das ostdeutsche Gerüstbauerhandwerk konzentriert. Hier wurde Enrico 2024 Geprüfter Gerüstbau-Kolonnenführer und bekam einen Gutschein für die Meisterausbildung.

Den löste er noch im selben Jahr ein. Von November 2024 bis November 2025 war Enrico Meisterschüler und Internatsbewohner in Magdeburg. „Am ersten Schultag habe ich gar nichts begriffen, Mathe war auch früher in der Schule nicht so meins“, sagt er.

Deshalb gewöhnte er sich an, jeden Abend den Lehrstoff nochmal durchzugehen. Vor allem für Teil I büffelte er. Statik, technisches Zeichnen, Kalkulation, Gefährdungsbeurteilung. Er rechnete und rechnete, schrieb insgesamt 600 DIN-A-4-Seiten voll und wurde am Ende zweitbester Statiker. „Den Meistertitel kriegst Du nicht geschenkt“, sagt Enrico und ist sehr stolz, dass er es geschafft hat.

„Er hat sich so lange dahintergeklemmt, bis er es verstanden hat“, sagt Stephanie Etzel vom Gerüstbauzentrum, „und er hatte als Einziger in seiner Klasse keinen Betrieb, der ihn unterstützte, er hat alles aus eigener Tasche gezahlt, da muss man wirklich den Hut ziehen.“

Eine Anstellung als Gerüstbauermeister hat Enrico bislang nicht gefunden. „Überqualifiziert“ steht in den Absagen. So arbeitet er derzeit selbständig auf ganz unterschiedlichen Baustellen. Außerdem ist er Foto-Model, Mützen-Designer und Papa einer 8-jährigen Tochter. Enno Kauschke weiß sich selbst zu helfen und ist optimistisch: „Gerüstbau ist mein Leben, ich werde wieder zurückkehren.

Anja Gildemeister

Thomas Ertmer/Handwerkskammer Magdeburg