Melissa Leiste führt die Familientradition im Fleischerhandwerk weiter.
Handwerkskammer Magdeburg
Melissa Leiste führt die Familientradition im Fleischerhandwerk weiter.

Immer mit einem Schritt im Handwerk

In Wernigerode geben neben Schloss und Fachwerkhäusern auch traditionelle Handwerksbetriebe dem Stadtbild einen unverwechselbaren Charakter. Touristen haben das Städtchen längst für sich entdeckt. Fernab vom Schloss lassen sich auch im Stadtzentrum kulinarische Sehenswürdigkeiten entdecken. Bereits seit drei Generationen hat sich hier die Familie Leiste dem Fleischerhandwerk verschrieben.

„Das Leiste ich mir gern“, prangt oberhalb der Eingangstür der Hauptfi liale in der Westernstraße. Eine Kundenschlange hat sich bereits vor der Verkaufstheke gebildet und auch die Plätzedes Imbisses sind bereits gut gefüllt. Die 26-jährige Melissa Leiste steht mittendrin und behält Fleischerei, Imbiss und Verkauf genau im Blick. Sie kennt die Abläufe und den Großteil der Mitarbeiter bereits seit Kindertagen. Aufgewachsen ist sie im selben Haus, sozusagen nur ein paar Stufen von der Produktion und dem Verkauf entfernt. „Das Lebensmittelhandwerk hatte mich schon immer fasziniert. Es war spannend, wenn ich meinem Papa über die Schulter gucken durfte“, sagt sie. Den Druck, in die gleichen Fußstapfen treten zu müssen, gab es von der Familie jedoch nie. Dennoch entschied sie sich für das Handwerk: „Ich wollte Fleischerin werden – nicht Verkäuferin!“

Seit 2015 hängt ihr Meisterbrief nun neben dem ihres Vaters und Inhabers Frank Leiste an der Wand. „Damals war ich eine der jüngsten Fleischermeisterinnen Sachsen-Anhalts“, sagt sie heute stolz. Die Meisterschule absolvierte sie Vollzeit in Frankfurt am Main und traf hier auf Berufskollegen aus ganz Deutschland. Der Frauenanteil war gering. Auf drei Frauen kamen 47 männliche Kollegen. „Für mich war das kein Problem, ich bin mit dem Fleischerhandwerk groß geworden. Hier herrschte schon immer Männerüberschuss, damit komme ich gut zurecht“, schmunzelt Melissa Leiste und fügt noch hinzu: „Wo Männer auf Kraft setzen, brauchen wir Frauen eben eine gute Technik.“ Diese verfeinerte sie noch während der Meisterausbildung und eignete sich darüber hinaus noch wichtiges betriebswirtschaftliches Wissen an.

Seit ihrer Rückkehr nach Wernigerode übernimmt sie im Familienbetrieb mehr Verantwortung und bringt ihre Ideen ein. Ein neues Cateringkonzept mit Fingerfood, der Aufbau des Onlineshops, eine Facebook-Seite sowie neue Verpackungsideen bringen die Fleischerei Leiste in die Köpfe der potentiellen Kunden. „Wir bieten sehr gute handwerkliche Qualität an und gehören zur Regionalmarke Typisch Harz, das muss man heute auch sagen und zeigen.“ Man sieht und spürt die neue Handschrift. Das Vater-Tochter-Gespann funktioniert. „Ich erinnere mich noch, am Anfang war meine neue Rolle für alle hier noch fremd. Unsere Mitarbeiter kannten mich ja bereits als Kind, jetzt gebe ich auch Anweisungen. Das musste sich erst einspielen.“ Heute steht sie ihre Frau in einem oft noch männlich geprägten Handwerk. Da möchte sie auch am Ball bleiben. „Ich bilde mich stetig weiter und tausche mich mit meinen Berufskollegen aus.“

Vor der Filiale in der Westernstraße verrät sie noch: „Die altdeutsche Schrift auf den Schaufenstern werden wir sicher auch irgendwann austauschen.“ Melissa Leiste hat bereits die nächsten Pläne. Auch wenn Inhaber Frank Leiste längst noch nicht ans Aufhören denken muss, hier scheint dennoch die Nachfolge frühzeitig gesichert zu sein. Sie fühlt sich angekommen: „Ja, ich kann mir vorstellen, später einmal den Familienbetrieb zu übernehmen.“ (akg)

Kontakt:
www.fleischerei-leiste.de
Facebook: www.facebook.com/Fleischerei-Leiste-Wernigerode

(Veröffentlicht im "Handwerk in Sachsen-Anhalt", Ausgabe 6 vom 19.04.2018)