Thomas Ertmer/Handwerkskammer Magdeburg

Meister made in Magdeburg 2026Kfz-Meisterin Kristin Oppermann: Später Einstieg, klarer Kurs

Erst mit 35 Jahren hat Kristin Oppermann ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin begonnen. Nach dem Abitur, einem Au-Pair-Jahr und dem Studium der Medienbildung wurde im Betrieb ihres Vaters das Thema Unternehmensnachfolge akut. Seit 1991 führt Kfz-Meister Rudolf Wehling auf einem alten Bauernhof in Ebendorf eine Freie Werkstatt.

„Eine Übernahme durch Externe kam für uns eigentlich nicht infrage, weil wir dort auch wohnen“, berichtet Kristin. Da die Job-Aussichten in der Medienbranche schlecht und ihre beiden Kinder klein waren, stieg sie in die Auto-Werkstatt ein.

Während sie sich im Büro gut einarbeiten konnte, kam sie bei technischen Fragen an ihre Grenzen. „Ohne Ausbildung ist das nicht möglich“, war ihr Fazit und der Grund, weshalb sie ab 2021 die dreieinhalbjährige Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin absolvierte.

Thomas Ertmer/Handwerkskammer Magdeburg

Parallel arbeiteten Vater und Tochter an der Übergabe. „Die Bürokratie war enorm. Alle Verträge mussten neu aufgesetzt werden. Das hat viel Zeit und Kraft gekostet“, sagt Kristin. Die Wertermittlung erledigten die Betriebsberater der Handwerkskammer. „Das wurde überall akzeptiert, von der Bank, vom Steuerberater – ein toller, kostenloser Service“, sagt Kristin.

Am 1. Januar 2025 übernahm sie „Auto-Wehling“ – mit der Auflage, die Meisterprüfung abzulegen. Der erste Schritt war schon getan: Dank Abitur hatte sie parallel zur Ausbildung den betriebswirtschaftlichen Teil III der Meisterausbildung absolviert. Nach der Gesellenprüfung folgte dann Teil IV, die Ausbildung der Ausbilder. Für die Fachpraxis (Teil I) und die Fachtheorie (Teil II) fuhr sie ein halbes Jahr lang täglich ins Bildungszentrum des Kfz-Gewerbes nach Möckern. Am Nachmittag ging es dann jeweils im Betrieb weiter.

„Diese vier Jahre waren eine harte Zeit für uns, das hängt mir noch nach und kommt erst langsam so richtig an“, sagt Kristin im Februar 2026 und ist froh über ihren ganz normalen Arbeitsalltag. Sowohl die zwei Mitarbeiter als auch Kunden und Lieferanten reagieren positiv auf die neue Chefin. Rudolf Wehling ist erleichtert, dass sie die Übergabe bewältigt haben. Mit seinen 71 Jahren will er jetzt ruhiger treten.

Kfz-Meisterin Kristin blickt optimistisch in die Zukunft. Das Werkstattgeschäft läuft solide, die Kundschaft schätzt die schnelle Termin-Vergabe. Demnächst wird sie in Außenwerbung investieren, die Maschinenplanung angehen und irgendwann auch ausbilden. Und sie will an ihren praktischen Fähigkeiten weiterarbeiten: „Da lerne ich immer noch.“

Anja Gildemeister

Thomas Ertmer/Handwerkskammer Magdeburg