Zwei fröhliche Maurer bei der Arbeit
argum / Falk Heller

Konjunkturbericht Herbst 2019 präsentiert

Handwerk weiterhin Stabilitätsanker der Konjunktur, solange die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Stimmung im Handwerk im Kammerbezirk Magdeburg ist weiterhin sehr gut, auch wenn die Rekordstände der letzten Jahre nicht wieder erreicht werden können. So beurteilen 62 Prozent der Inhaber die Geschäftslage im Herbst 2019 mit "gut". Das sind sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Der Geschäftsklimaindikator, bei dem auch die Erwartungen berücksichtigt werden, liegt mit 91 von 100 möglichen Punkten auf einem sehr hohen Niveau, erreicht aber nicht mehr den Höchststand vom Vorjahr mit 94 Punkten. Das ist das Ergebnis der Herbstkonjunkturumfrage, die die Handwerkskammer am 25. Oktober 2019 in Magdeburg vorlegte.

Gute Lage im Bauhaupthandwerk

Eine weiterhin sehr gute Lage zeigt sich im Bauhaupthandwerk. 81 Prozent der Betriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Auch im Ausbauhandwerk ist die Stimmung gut, aber im Vergleich zum Vorjahr etwas eingetrübt: Hier schätzen 66 Prozent ihre Lage als gut ein, im Vorjahr geben das 81 Prozent an. Die Auftragsbücher sind im Bauhaupt- und Ausbauhandwerk durchschnittlich für die nächsten 12 bzw. 11 Wochen gefüllt.

Entbürokratisierung läuft schleppend

"Die niedrigen Zinsen, die gute Arbeitsmarktlage und die hohe Konsumfreude stützen weiterhin die Konjunktur im Handwerk und sorgen für eine gute Auftragslage in den Betrieben. Dennoch kommt eine lange Phase wirtschaftlichen Wachstums nun an eine Grenze. Wir sehen die ersten Bremsspuren. Wir müssen jetzt die Zukunft gestalten und zum einen die Betriebe für neue Herausforderungen fit machen, aber auch wettbewerbsfähige und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen, um nicht weiter abzurutschen", sagte Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer und nannte als Schwerpunkt die Entbürokratisierung. "Die bisherige Bilanz der Bundesregierung ist ernüchternd. Der enttäuschende Entwurf für ein Drittes Bürokratieentlastungsgesetz steht hierfür exemplarisch. Die jüngst vorgestellte Mittelstandsstrategie des Bundeswirtschaftsministers weist hingegen den richtigen Weg", so Mauer.

Fachkräftemangel bremst Konjunktur aus

Der Beschäftigungssaldo - das ist die Differenz aus Betrieben, die Personal eingestellt und denen, die Personal abgebaut haben - zeigt sich leicht positiv.  8 Prozent der befragten Handwerksbetriebe haben die Zahl ihrer Mit­arbeiter reduziert und 9 Prozent haben die Zahl erhöht. Die anderen Betriebe haben den Personalbestand konstant gehalten. Trotz des kommenden Winterquartals planen 95 Prozent der Inhaber, die Beschäftigungszahl konstant zu halten oder zu erhöhen.

Es wird für die Unternehmen immer schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden. Die Auslastung bis an die Kapazitätsgrenzen zeigt, dass die Betriebe mit dem Beschäftigungsaufbau in den derzeit starken Auftragslagen kaum hinterherkommen. "Der Fachkräftemangel bremst die Konjunktur aus. Unsere Betriebe könnten wachsen, wenn genügend Fachkräfte vorhanden wären", so Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Hilfreiche Instrumente gefordert

"Wir müssen die berufliche Bildung mehr fördern und Menschen für die Handwerksberufe sowie für das Unternehmertum im Handwerk begeistern. Die Meistergründungsprämie hat für Sachsen-Anhalt ein positives Signal gesetzt, ebenso die neue Richtlinie zur Förderung von auswärtig beschulten Auszubildenden. Wir brauchen mehr davon - zum Beispiel in Form einer Bonuszahlung für die Meisterausbildung. Vor allem brauchen wir eine flächendeckende Berufsorientierung über alle Schulformen in unserem Bundesland. Auch die Einführung eines Azubi-Tickets wird die Attraktivität der beruflichen Bildung weiter fördern und zu mehr Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung beitragen", sagen Mauer und Grupe.  

Kammerbezirkszahlen

Im Handwerk im Kammerbezirk Magdeburg sind derzeit 12.198 Betriebe eingetragen. Das entspricht einem Rückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn. Der Rückgang der Betriebszahlen hat einerseits demografische Ursachen, ist aber auch dadurch begründet, dass einige Unternehmer bessere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Anzahl der Beschäftigten im Handwerk ist mit ca. 68.000 Mitarbeitern leicht zurückgegangen. 2018 erwirtschaftete das Handwerk im Kammerbezirk Magdeburg einen Umsatz von etwa 6,9 Mrd. Euro. Die Prognosen für 2019 deuten auf eine weitere leichte Steigerung des Umsatzes bei leicht sinkenden Beschäftigungszahlen hin.

Geschäftslage nach Landkreisen

  • Im Landkreis Stendal beurteilen 64 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Am 30.09.2018 waren hier 1.517 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Altmarkkreis Salzwedel beurteilen 68 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Am 30.09.2018 waren hier 1.148 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Landkreis Börde beurteilen 71 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Am 30.09.2018 waren hier 2.121 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • In der Landeshauptstadt Magdeburg beurteilen 58 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Am 30.09.2018 waren hier 2.099 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Landkreis Jerichower Land beurteilen 50 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Am 30.09.2018 waren hier 1.257 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Salzlandkreis beurteilen 56 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Am 30.09.2018 waren hier 1.570 Handwerksbetriebe eingetragen.  
  • Im Landkreis Harz beurteilen 64 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Am 30.09.2018 waren hier 2.486 Handwerksbetriebe eingetragen.

Therese Klette-Schrills
Referentin für Volkswirtschaft und Statistik

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