Firmengründerin Karin Meißler, Denis Meißler und Chef Ingo Meißler (v.l.n.r.)
Handwerkskammer Magdeburg
Firmengründerin Karin Meißler, Denis Meißler und Chef Ingo Meißler (v.l.n.r.)

Meißlers mangeln seit 40 Jahren

40 Jahre Heißmangel in Magdeburg-Otterlseben

Seit 40 Jahren gibt es im Magdeburger Stadtteil Ottersleben die Heißmangel Meißler. Der Betrieb hat heute elf Angestellte und ist gut im Geschäft.

„Wir nehmen die alte Futterküche“, entschied Karin Meißler im Oktober 1971 kurzerhand und beantwortete damit die Frage ihres Mannes, wo denn die Heißmangel aufgestellt werden sollte, die sie aus einer Geschäftsaufgabe erwerben wollte. Die nächste Hürde war höher: Das zuständige Amt verweigerte zunächst die Gewerbeerlaubnis. Karin Meißler ließ sich nicht abwimmeln, ging am nächsten Tag wieder hin und am übernächsten und am überübernächsten – immer mit ihren beiden kleinen Kindern im Schlepptau. „Morgen haben wir Sitzung“, war die Auskunft, die sie zwei Wochen lang bekam. Dann endlich gab es die Erlaubnis und nach bestandener Eignungsprüfung eröffnete Karin Meißler ihren Ein- Personen-Betrieb in Alt Ottersleben.

Die Auftragslage war zunächst mau, denn im Umkreis gab es weitere drei Anbieter. 25 Mark Umsatz pro Woche machte Karin Meißler in der Anfangszeit mit ihrer gasbetriebenen Mangel. Die Preise wurden über den Daumen gepeilt, um keine Kunden zu verärgern. „Bei fünf Mark pro Wäschekorb hatte ich schon ein schlechtes Gewissen“, erinnert sie sich. Als ein Konkurrent dichtmachte, brummte der Laden, so dass Ehemann Herbert, ein gelernter Konditor, und später auch die Kinder Stella und Ingo regelmäßig aushalfen – Angestellte waren der Firma nicht erlaubt.

Sohn Ingo Meißler, mittlerweile Meister der Textilreinigung, übernahm 1994 den Betrieb. Er baute um und erweiterte das Angebotsspektrum, indem er die Haushaltswaschmaschine seiner Mutter aufstellte und fortan auch die Textilwäsche anbot. An die ersten fünf Oberhemden, die er zum Waschen und Bügeln bekam und die damit verbundene Aufregung kann sich die Familie noch gut erinnern. 1997 kam die erste Angestellte in die Firma, mit den Jahren folgten weitere, denn die Aufträge wurden mehr, vor allem die gewerblichen, von großen Unternehmen etwa oder von Seniorenheimen. Als Ingo Meißler 2009 den Zuschlag für ein großes Pharma-Werk erhielt, musste das Personal innerhalb von Wochen auf elf Mitarbeiter aufgestockt werden – 1500 Teile Berufsbekleidung und Frotteewäsche pro Tag waschen und bügeln sich schließlich nicht von allein. „Das war eine anstrengende Zeit“, erinnert sich Ingo Meißlers Ehefrau Denis, die auch im Unternehmen angestellt ist. Die technischen Voraussetzungen für den Großauftrag wurden durch umfangreiche Umbaumaßnahmen und die Anschaffung neuer Technik geschaffen. Moderne Waschmaschinen – die größte davon fasst 120 Kilogramm – sowie Legemaschinen und Wäschetrockner erleichterten die bisher körperlich schwere Arbeit der Textilreinigung deutlich.

Aus Anlass des 40-jährigen Betriebsjubiläums öffnete die „Wäscherei & Heißmangel Meißler“ am 15. Oktober die Türen und lud ein zum Blick hinter den Annahme-Tresen. Vielleicht entwickelte der eine oder andere Jugendliche dabei Interesse am Beruf des Textilreinigers. Ingo Meißler zumindest denkt darüber nach, zukünftig Lehrlinge auszubilden. Die Ausbildungsberater der Handwerkskammer Magdeburg werden ihn dabei tatkräftig unterstützen. (ag)

 

Kontakt:
Ingo Meißler
Alt-Ottersleben 58
39116 Magdeburg
Tel. 0391 6311314