Peter Ewert (r.) und sein Nachfolger Kai Franke.
Handwerkskammer Magdeburg
Peter Ewert (r.) und sein Nachfolger Kai Franke.

Die Corona-Krise beeinflusst auch Betriebsnachfolgen im Handwerk, wie das Beispiel von Firma Ewert aus Genthin zeigt.Nachfolge in der Krise

Jährlich steigt die Zahl der Unternehmer, die das Rentenalter erreichen. In Sachsen-Anhalt suchen derzeit mindestens 600 Betriebe einen Nachfolger. Peter Ewert aus Genthin, Jahrgang 1959, gelernter Tischler und studierter Ingenieur, hat ihn so gut wie gefunden. Der langjährige Inhaber der Tischlerei Ewert, 1923 von seinem Großvater Max gegründet und heute mit 20 Mitarbeitern deutschland- und europaweit erfolgreich mit Objekteinrichtung, Ladenbau und Einbauküchen, leitete den Übergabeprozess vor drei Jahren ein. Er informierte sich umfassend, ließ sich beraten und seinen Betrieb bewerten, inserierte in der Betriebsbörse der Handwerkskammer und der "nexxt-change" und saß nach diversen anderen Anläufen schließlich Kai Franke gegenüber.

Liebe auf den ersten Blick

Der 33-Jährige Betriebswirt des Handwerks aus Steinfeld in der Altmark hatte zuletzt in leitender Funktion in einem Bauelemente-Montage-Betrieb gearbeitet und suchte eine Firma zur Übernahme. In Genthin erlebte er so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. "Hier bin ich hingekommen und es hat einfach gepasst", sagt Franke. Peter Ewert ging es ähnlich. Beide spielten von Anfang an mit offenen Karten, dachten sich ganz praktisch in alle Themen hinein und nutzten dafür sämtliche Nachfolge-Beratungsangebote der Handwerkskammer und des Netzwerks Unternehmensnachfolge Sachsen-Anhalt. "Das hat uns wirklich sehr geholfen, das können wir nur empfehlen", sind sich beide einig. Am Ende setzten sie einen Letter of Intent auf. "Als ordentliche Richtschnur mit Vereinbarungen zu Zeit und Geld", wie Peter Ewert es formuliert.

Einbruch durch Lockdown

Als Kai Franke dann eingestiegen war, kam der Lockdown und bei Firma Ewert lief nichts wie immer. Sechs Wochen lang gab es im Bereich Ladenbau kaum Arbeit, ein starker Einbruch, die Lage war ernst. Sinnbildhaft hat Peter Ewert die Szenerie von der absolut menschenleeren Haupteinkaufsstraße in Hannover im Kopf, wo er in dieser Zeit im Einsatz war.

Mit Resturlaub, Überstundenabbau und Soforthilfe wurde überbrückt. Mit sehr viel Fleiß ging es nach dem Re-Start weiter. Auch wenn sie jetzt die Arbeit kaum schaffen: "Die Situation ist nach wie vor kritisch", schätzt Peter Ewert ein. Das beeinträchtigt auch den Übergabeprozess. "Was wir im ersten Quartal erwirtschafteten, haben wir im zweiten Quartal verbrannt. Das ist für die Banken natürlich schwierig zu verstehen", sagen Ewert und Franke. Sie fordern staatliche Unterstützung im Sinne eines Personalkostenzuschusses für den Einarbeitungszeitraum des Nachfolgers ein.

Forderungen der Handwerkskammer

Dem pflichtet auch Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Burghard Grupe bei. "Wir sollten alles tun, damit diejenigen, die vor Corona über eine Übergabe und Übernahme nachgedacht haben, diesen Traum jetzt nicht aufgeben." Personalkostenzuschüsse bei der Einstellung/Beschäftigung eines Nachfolgers in Anlehnung an die existierende Innovationsassistenten-Förderung würden helfen. Oftmals ist der Nachfolger nicht im engeren Sinne Produktivkraft in dieser Einarbeitungszeit, sondern belastet das Unternehmen mit Personalkosten. Hier wäre es sehr sinnvoll, eine Förderung einzuführen. Als weitere Maßnahme fordert Grupe die Entbürokratisierung der Nachfolge durch Bund und Länder. Peter Ewert und Kai Franke halten trotz Krise zuversichtlich an ihrem Nachfolgefahrplan fest. Am 1. Mai 2021 soll die Übergabe abgeschlossen sein.

Cornelia Strümpel

Sekretariat Betriebsberatung/Unternehmensförderung

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