Haus des Handwerks
Uli Lücke
Das Haus des Handwerks in Magdeburg.

Erinnerungen an Selma Rudolph

Das gerade erschienene biografisch-bibliografische Lexikon "Frauen in Sachsen-Anhalt 2", herausgegeben von der Magdeburger Historikerin Prof. Dr. Eva Labouvie, enthält auch einen Eintrag über Selma Rudolph, die das heutige Haus des Handwerks in der Gareisstraße errichten ließ.

Autor Prof. Dr. Mathias Tullner berichtet darin, dass Selma Rudolph 1853 als Tochter des Fabrikanten Christian Friedrich Budenberg in Magdeburg geboren wurde. Sie heiratete den Unternehmersohn Louis Heinrich Carl Rudolph und bekam mit ihm vier Kinder. Nach dem frühen Tod ihres Mannes übernahm Selma Rudolph 1887 die Maschinenfabrik und Eisengießerei "C. Rudolph & Co" und wurde damit eine der ersten deutschen Unternehmerinnen im Maschinenbau. 1914 ging sie sogar in den Aufsichtsrat des Großunternehmens "Schäffer & Budenberg". Doch sie war nicht nur Geschäftsfrau: "Die Dimension ihres Engagements im Magdeburger gesellschaftlichen Leben war außergewöhnlich groß", schreibt der Autor. Selma Rudolph war in zahlreichen kulturellen und karikativen Vereinen tätig und förderte besonders die Mädchen. Die 1901 bis 1903 errichtete Rudolphsche Villa, das heutige Haus des Handwerks, war repräsentativer Wohnort und außergewöhnlicherweise auch Veranstaltungsort für zahlreiche Aktivitäten des Magdeburger Vereinslebens und öffentliche Veranstaltungen aller Art. Selma Rudolph starb 1931. Im schmiedeeisern verzierten Eingangsportal des Hauses, seit 2012 Dienstsitz der Handwerkskammer Magdeburg, findet man heute noch ihre Initialen.

Das Lexikon "Frauen in Sachsen-Anhalt 2" stellt Frauen vom beginnenden 19. Jahrhundert bis 1945 vor, die im Raum des heutigen Sachsen-Anhalts und zum Teil weit darüber hinaus in ganz unterschiedlichen Bereichen Besonderes geleistet oder ein für Frauen ungewöhnliches Leben geführt haben. Es ist unter der ISBN 978-3-412-51145-6 im Böhlau Verlag erschienen.

Anja Gildemeister
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