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Handwerk fordert Strategie für Rückkehr zur Normalität

Sachsen-Anhalts Handwerk richtet sich mit einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel.

In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel fordern die Handwerkskammern Magdeburg und Halle sowie der Handwerkstag Sachsen-Anhalt eine Strategie für eine Rückkehr zur Normalität:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

seit einem Jahr nehmen die Folgen der Covid-19-Pandemie Einfluss auf das gesamte Sein in unserem Land. Bereiche der Wirtschaft, des gesellschaftlichen und privaten Lebens werden gleichermaßen davon beeinflusst.

Wir, die Repräsentanten von ca. 25.000 Unternehmen des Handwerks mit 133.000 Mitarbeitern und 7.300 Auszubildenden in Sachsen-Anhalt wenden uns voller Sorge an Sie. Es ist aus unserer Sicht unbestritten, dass der Schutz der Menschen in diesem Land eine hohe Priorität haben sollte und muss. Viele der oft ad hoc getroffenen Maßnahmen haben ihren Nutzen gehabt, Infektionsketten vermindert und Leben gerettet. Zugleich waren etliche der Eindämmungen aus Sicht des Handwerks wenig planvoll, schwer erklärlich und zu wenig begründet. Daher reflektieren wir Ihnen heute einen wachsenden Unmut einer zunehmenden Zahl von Unternehmern und deren Mitarbeitern, die einen weiter andauernden de facto Ausnahmezustand mit ernsthaften Schäden für die Zukunft verbinden. Viele Handwerksunternehmen sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen oder haben diese überschritten. Dieses Meinungsbild wird auch durch die von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen zur wirtschaftlichen Unterstützung Betroffener nicht abgemildert. Das Credo der Unternehmer ist der Wunsch nach Arbeit statt einer Alimentierung durch den Staat.

Es ist den Betriebsinhabern durchaus klar, dass zur Bekämpfung Eindämmungsmaßnahmen und Hygienekonzepte erforderlich sind, auch Einschränkungen in sinnhaften Bereichen werden hingenommen. Was aber immer stärker aufstößt, ist die Fixierung der gesamten Politik auf ausgewählte Expertenmeinungen und von Einzelnen definierte statistische Zahlenwerte. In Folge dessen erkennen wir, zu unserer tiefen Sorge, eine allenthalben spürbare Radikalisierung des Meinungsbildes in den Unternehmer- und Belegschaften bis hin zu einem völligen Vertrauensverlust gegenüber der Politik und dem Staatswesen. Die Folgen dieses Meinungsbildes auf kommende Landes- und Bundeswahlen sind unabsehbar.

Wir bitten Sie eindringlich in den weiteren Kampf gegen die Pandemie zur Minderung solcher Meinungsbilder auch Aspekte wie die Eigenverantwortung des Einzelnen, eine offene Meinungsbildung zu Fakten und Zahlen und den Blick in die Zukunft des Landes stärker mit einzubeziehen.

Denn Wirtschaft und das Zusammenleben der Menschen sind auch ein stückweit Psychologie. Wir brauchen eine Rückkehr zur optimistischen Zukunftsbetrachtung und nachhaltige Pläne für unser Land. Die letzten Entscheidungen der Bundesregierung zusammen mit den Länderministerpräsidenten sind ein Schritt in die richtige Richtung, orientieren sich aber aus unserer Sicht immer noch zu stark an Inzidenzwerten und nicht an der tatsächlichen Betroffenheit. Das Ziel der Politik muss die schnelle Wiederherstellung und Sicherung eines weitestgehend normalen Lebens und nicht die Verfestigung von Einschränkungen sein.

Besonders große Sorgen macht uns auch unser Bildungssystem. Schulschließungen und erhebliche Einschränkungen selbst bei geöffneten Schulen und ungenügende technische Ausstattung führen zu noch gar nicht absehbaren negativen Folgen, deren Auswirkungen Jahre zu spüren sein werden. Das gilt auch und gerade aus Sicht des Handwerks für die Berufsorientierung, die seit einem Jahr am Boden liegt und die die Nachwuchssorgen des Handwerks erheblich verstärkt. Hier regen wir für die Zukunft eine offene und ehrliche Diskussion der notwendigen Strukturen der Bildung in unserem Land an.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, alle Erfahrung spricht für ein dauerhaftes Verbleiben des Corona-Virus in unserem Land. Auch mit bestimmt immer wieder auftretenden ernsten Corona-Krankheitsfällen müssen wir in Zukunft ein normales Wirtschafts- und Gesellschaftsleben führen können. Wir brauchen eine klare Strategie für ein Leben mit dem Corona-Virus, die jahrelang gültig sein kann und die vielfältigen Bereiche abdeckt.

Wir stehen Ihnen gern für einen Dialog aus Sicht des Handwerks zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Runge, Präsident Handwerkstag Sachsen-Anhalt

Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle (Saale)

Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg