Lothar Sprung (v.l.) und Jacqueline Sprung erläutern Burghard Grupe den bürokratischen Aufwand in der Corona-Krise. Unterlagen für das Kurzarbeitergeld für nur einen Monat füllen einen Aktenordner.
Handwerkskammer Magdeburg
Lothar Sprung (v.l.) und Jacqueline Sprung erläutern Burghard Grupe den bürokratischen Aufwand in der Corona-Krise. Unterlagen für das Kurzarbeitergeld für nur einen Monat füllen einen Aktenordner.

Neustart der Gastronomie im Lebensmittelhandwerk

Handwerkskammer kritisiert bürokratische Startbedingungen und fehlende Unterstützung für größere Unternehmen

In dieser Woche dürfen Lebensmittel-Handwerker in Sachsen-Anhalt unter Auflagen ihren angeschlossenen Gastronomiebetrieb wieder aufnehmen. Das betrifft unter anderem Cafés und Imbisse in Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien. Bei einem Ortstermin am 19. Mai 2020 im Café am Markt der Bäckerei und Konditorei Lothar Sprung e.K. in Burg hat sich Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Burghard Grupe im Gespräch mit Bäckermeister Lothar Sprung und Mitarbeitern ein Bild von der Situation in der Branche gemacht und eine Lagebewertung abgeben.

Lothar Sprung hat das 1955 von seinem Vater Karl-Heinz Sprung gegründete Unternehmen 1987 übernommen und führt es zusammen mit seiner Frau Gisela-Karin Sprung sowie den Kindern Nicole, Madeleine, Jacqueline und Robert Sprung. 120 Mitarbeiter sind am Hauptsitz in Möckern und in 18 Filialen tätig. Für die kontinuierliche Ausbildung in den Bereichen Bäcker, Konditor und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk erhielt das Unternehmen 2019 die Auszeichnung "Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb der Handwerkskammer Magdeburg".

Seit der coronabedingten Zwangsschließung seiner neun Cafés verzeichnet Lothar Sprung täglich zirka 30 Prozent Umsatzeinbußen. Einen Teil seiner Belegschaft musste er in Kurzarbeit schicken. Weil er mehr als 50 Mitarbeiter hat, kommt die Soforthilfe nicht infrage. "Wir haben einen Kredit beantragt, aber der hilft nicht wirklich weiter. Wir fallen bei den Zuschüssen hinten runter, das empfinden wir als sehr ungerecht. Wir können unsere Liquidität nur noch schwer aufrechterhalten", sagte der Bäckermeister heute beim Pressetermin.

"Wir sehen hier ein erfolgreiches Familienunternehmen, das vergangenes Jahr noch zuversichtlich investiert hat und nun um seine Existenz bangt", sagte Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Burghard Grupe. Die Bäckerei sei ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler der Region, der 120 Menschen einen Arbeitsplatz biete. Burghard Grupe: "Genau hier liegt jedoch der Knackpunkt der staatlichen Corona-Hilfen. Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern können keinen Soforthilfe-Zuschuss beantragen. Ihnen stehen nur rückzahlbare Darlehen zur Verfügung, die zu einer zusätzlichen Kapitaldienstbelastung führen. Bei Umsatzeinbrüchen in Größenordnungen ist es aber bereits eine Herausforderung, bestehende Kapitaldienste reibungslos zu bedienen. Es gibt zudem kein Förderinstrument, das den coronabedingten Verdienstausfall abdeckt oder den fehlenden Unternehmerlohn abfedert. Bei Familienunternehmen verschärft sich diese finanzielle Problematik noch."

Die Öffnung von gastronomischen Betrieben für den Publikumsverkehr ist bereits seit dem 18. Mai zulässig, wenn der zuständige Landkreis oder die zuständige kreisfreie Stadt für den Feiertag am 21. Mai ein allgemeines Sicherheitskonzept erstellt hat und die Öffnung auf der Grundlage eines vom Betreiber vorgelegten Hygienekonzepts im Einzelfall genehmigt. "Die Verfahrensweise bringt jedoch neue Hürden mit sich. Eine Übertragung der Verantwortung auf Landkreise und kreisfreie Städte erhöht die Unsicherheiten und bürokratischen Belastungen für unsere Betriebe. So verwundert es nicht, dass Unternehmen wie Bäcker Sprung erst am 22. Mai öffnen", so Burghard Grupe und fordert in Hinblick auf die Einhaltung der Hygieneauflagen Kontrollen mit Augenmaß.

Statistisches

Im Handwerkskammerbezirk Magdeburg sind derzeit 317 Lebensmittelhandwerksbetriebe eingetragen, die meisten davon Bäcker (126 Betriebe), Fleischer (122), Konditoren (26) und Speiseeishersteller (21). Zur Branche gehören außerdem die Brauer und Mälzer (13), Müller (4), Weinküfer (3), Fleischzerleger/Ausbeiner (1) und Innereifleischer (1).

Anja Gildemeister
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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