Klaus Zöllner (rechts) mit seinem Vater Erwin Zöllner
Handwerkskammer Magdeburg
Klaus Zöllner (rechts) mit seinem Vater Erwin Zöllner

Tischlermeister Hans Dampf

125 Jahre Tischlerei Zöllner in Bittkau

Seit 125 Jahren gibt es in Bittkau an der Elbe die Tischlerei Zöllner. Tischlermeister Klaus Zöllner, Urenkel von Unternehmensgründer Carl Zöllner, führt den Betrieb in vierter Generation.

Dass der Tischler zumindest früher manchmal am längeren Hebel saß als sein zahlungsunwilliger Kunde, beweist eine Anekdote aus den Jahren, als Klaus Zöllner noch mit seinem Vater Erwin Zöllner und dem Altgesellen Siegfried Willke gemeinsam Möbel baute. Sie waren ein eingeschworenes Team, Erwin kümmerte sich um Vorbereitung und Zuschnitt des Materials, Siegfried und Klaus um die Technik und Feinheiten – so auch um die Geheimfächer, die früher in Möbeln üblich waren. Einmal bestellte ein Kunde einen Schrank mit Geheimfach, nach Auslieferung kam es zu Zahlungsproblemen. „Da haben wir ihm einfach nicht verraten, wo das Geheimfach ist“, berichtet Klaus Zöllner verschmitzt, der sich gern an die alten Zeiten erinnert: „Das war nicht so stressig wie heute, da ging man alles ruhiger an“, sagt er und zeigt die Fotos, die in seinem Büro, auf den Fluren und in der Werkstatt hängen. Zu sehen ist, wie vier Generationen der Familie Zöllner lebten und arbeiteten.

Klaus Zöllners Urgroßvater Carl Zöllner gründete im Oktober 1886 die Tischlerei in Bittkau. Im Jahr 1924 übernahm dessen Sohn Karl Zöllner den Betrieb, der 1959 die Tischlerei an seinen Sohn Karl Zöllner übergab, den Onkel des heutigen Inhabers. Klaus Zöllner, 50 Jahre alt und seit 27 Jahren Tischlermeister, führt das Unternehmen seit dem 1. Januar 1989. Vier Angestellte arbeiten derzeit in der Werkstatt, zwei im Büro. Neben Ehefrau Imke Zöllner (49) helfen auch Vater Erwin Zöllner (84) und Mutter Anneliese Zöllner (75) mit. „Wir sind ein Familienbetrieb im wahren Wortsinn“, sagt Klaus Zöllner und lobt seine Mitarbeiter: „Ich kann mich auf meine Angestellten gut verlassen. Sie arbeiten sehr selbstständig, denn sie wissen: Wir sitzen alle in einem Boot.“ Kurz nach der Wende hatte der Betrieb sogar mal zwölf Angestellte. Das hing mit dem Boom für den Einbau von Fenstern und Türen zusammen, der bis Ende der 1990er Jahre anhielt.

Heute bietet Klaus Zöllner seinen Kunden neben Einbau, Reparatur und Wartung von Fenstern, Türen, Toren und Rollladen auch den Einbau von Insektenschutzsystemen, den Innenausbau sowie das Verlegen von Parkett und Laminat an. Und natürlich auch die Anfertigung, Aufarbeitung und Reparatur von Möbeln. „Die Möbelproduktion kommt langsam wieder“,sagt Klaus Zöllner, „ob Bett, Bücherregal oder Eckbank – die Kunden wünschen individuelle Anfertigungen und wir versuchen, sie zur Zufriedenheit auszuführen.“ Gleichzeitig führt Klaus Zöllner auch das Bestattungsunternehmen. Auftragsakquise, Baustellenkoordination, Kundenbetreuung Tag und Nacht: „Ich bin der Hans Dampf im Betrieb“ sagt Klaus Zöllner. Auch in seinem Heimatdorf Bittkau scheint er so etwas Ähnliches zu sein, schließlich ist er im Gemeinderat, in der Freiwilligen Feuerwehr, im Angelverein und im Chor.

Dass die Tischlerei eines Tages von der fünften Zöllner-Generation geführt wird, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Die beiden Töchter der Zöllners haben einen anderen Weg eingeschlagen. Wenn zu gegebener Zeit die Suche nach einem Nachfolger ansteht, werden die Betriebsberater der Handwerkskammer Klaus Zöllner gern zur Seite stehen. (ag)

 

Kontakt:
Klaus Zöllner
Thälmannstr. 74
39517 Bittkau