Junger und alter Handwerker
Manfred Grünwald

Unternehmer gesucht - Jede zweite Firmenübergabe noch ungeklärt

"Nachfolgemonitor 2019" für Sachsen-Anhalt zeigt angespannte Lage im Unternehmensmittelstand.

Sachsen-Anhalt muss sich einem steil ansteigenden Bedarf an Nachfolgelösungen für kleine und mittelständische Unternehmen stellen. Die Anzahl von Unternehmerinnen und Unternehmern im Alter von mindestens 65 Jahren wird sich bis 2023 deutlich mehr als verdoppeln - in absehbarer Zeit verabschiedet sich die Generation der Nachwendegründer in den Ruhestand.

Das zeigt der "Nachfolgemonitor 2019 für Sachsen-Anhalt", der heute in Magdeburg vorgestellt wurde. Diese erste Sonderausgabe des Nachfolgemonitors für Deutschland beschreibt die Problematik in einem Bundesland, das aufgrund seiner ungünstigen Altersstruktur - dem mit 47,5 Jahren bundesweit höchsten Durchschnittsalter - besonders stark vom drängenden Thema Unternehmensfortführung betroffen ist.

Die Studie will auf die schwierige Nachfolgersuche, die sich in den kommenden Jahren möglicherweise noch verschärfen wird, aufmerksam machen und Entscheidungsträger sowie Unternehmer sensibilisieren: "Je weniger potenzielle Übernehmende für Nachfolgen zur Verfügung stehen, umso wichtiger ist es für die Übergebenden, sich mit ihrem Angebot gut zu positionieren", sagt Prof. Dr. Holger Wassermann, wissenschaftlicher Leiter der Studie an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management. Der Monitor wurde im Auftrag der Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt (BB) erstellt und begleitet von Creditreform Rating.

"Von erfolgreichen Unternehmensfortführungen hängt gerade im klein- und mittelständisch geprägten Sachsen-Anhalt die Sicherung der Wirtschaftsstruktur und damit auch von Arbeitsplätzen ab", so Wolf-Dieter Schwab, Geschäftsführer der BB. Die Studie stützt sich im Kern auf die von der BB begleiteten Firmenübernahmen. Davon gab es im Jahr 2017 mehr als zweieinhalbmal so viele wie nur vier Jahre zuvor, im Jahr 2018 ging die Anzahl allerdings wieder zurück. Die meisten Unternehmensnachfolgen verzeichneten der Harz und die Stadt Magdeburg, die wenigsten gab es in der Börde und im Mansfelder Land. In den südlichen Landkreisen - Saalekreis und Burgenlandkreis - sowie in der Stadt Halle (Saale) blieb der Anteil der vollzogenen Nachfolgen unter dem Anteil dieser Regionen am Unternehmensbestand.

Mehr Nachfolge-Gründerinnen als im Bundesdurchschnitt

Als Besonderheit für Sachsen-Anhalt weist die Studie einen höheren Anteil weiblicher Nachfolger als im bundesdeutschen Durchschnitt auf: Während in Gesamtdeutschland knapp 23 Prozent aller Firmenübernahmen durch Frauen erfolgen, sind es in Sachsen-Anhalt mehr als 26 Prozent. Bezogen auf die Zahl der Unternehmerinnen, die aus Sachsen-Anhalt stammen, haben diese sogar einen Anteil von fast 29 Prozent an allen Übernahmen. Jede dritte Nachfolge-Gründerin ist zwischen 35 und 39 Jahren alt. Dagegen verteilt sich bei männlichen Nachfolgern das Alter zur Firmenübernahme auf einen breiteren Zeitraum zwischen 30 und 49 Jahren.

Eine weitere Besonderheit Sachsen-Anhalts zeigt die Studie in der räumlichen Lage der Unternehmen auf, die einen Nachfolger gefunden haben. Anders als im gesamtdeutschen Vergleich sind Firmenübernahmen in ländlichen Regionen sowie in peripherer Lage gegenüber zentralen Lagen deutlich überrepräsentiert.

Ungeklärte Nachfolgen behindern Unternehmensentwicklung

In der Zeit vor dem Vollzug der Übergabe an einen Nachfolger zeigt sich vielfach eine negative Entwicklung betriebswirtschaftlicher Größen, laut Studie vermutlich durch eine nachlassende unternehmerische Aktivität: So hat sich in rd. 71 Prozent der Unternehmen der Umsatz im Übergabejahr verschlechtert, das sind deutlich mehr als der bundesweite Durchschnitt von rd. 52 Prozent. Beim EBIT waren es 83 Prozent in Sachsen-Anhalt gegenüber 59 Prozent in Gesamtdeutschland.

Ein zentraler Punkt bei der Regelung von Unternehmensnachfolgen ist die Finanzierung. Zum Kaufpreis kommen oft weitere Ausgaben für Investitionen hinzu. Bei der dafür in Anspruch genommenen Kreditaufnahme entlastet die BB mit ihren Bürgschaften die Hausbanken vom Ausfallrisiko. Von den Wirtschaftszweigen benötigt das verarbeitende Gewerbe mit deutlichem Abstand die insgesamt höchsten Finanzierungsbeträge: gut 37 Prozent. Die durchschnittliche Kreditsumme lag hier bei 273.000 Euro.

Die Entwicklung der Unternehmen nach erfolgter Übergabe zeigt ein überwiegend positives Bild, was sich in einer Verbesserung des Creditreform Bonitätsindex bei zwei Drittel der Nachfolgen widerspiegelt. Bei 40 Prozent stieg der Umsatz stark bis sehr stark, in weiteren 40 Prozent blieb er auf vorherigem Niveau. Bei den verbleibenden 20 Prozent wurde jedoch ein Umsatzrückgang festgestellt.

Gründergeneration muss rechtzeitig Übergabe vorbereiten

Laut Daten des Netzwerks Unternehmensnachfolge Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2017 planen 46 Prozent der befragten Unternehmen eine Übergabe bereits bis 2020. Von ihnen gaben 87 Prozent ihr Alter als Grund für die geplante Übergabe an. 34 Prozent rechnen mit einem Nachfolger aus der Familie, elf Prozent suchen ihn im eigenen Unternehmen - damit ist für mehr als jedes zweite Unternehmen die Frage der Firmenfortführung noch ungeklärt.

"Unternehmerinnen und Unternehmer müssen rechtzeitig genug den Tag vorbereiten, an dem sie das Steuer an einen Nachfolger weitergeben wollen", unterstrich BB-Geschäftsführer Heiko Paelecke: "Dazu gehört nicht nur die Suche nach einem passenden Übernehmer, sondern auch die stetige, zukunftsgerichtete Weiterentwicklung des Unternehmens, um die Attraktivität des Unternehmens für eine Übernahme hoch zu halten."

Anja Gildemeister
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