GründerstoriesDie Gründerstory von Christian Möller
Christian Möller berichtet im Interview, warum er sich als Automobilkaufmann dazu entschieden den Betrieb Car Service Magdeburg GmbH zu übernehmen.
Gründerstory im Video-Format
Interview mit Christan Möller
Das vollständige Interview mit Christan Möller lesen Sie hier:
Wer sind Sie und welches Unternehmen haben Sie übernommen?
Mein Name ist Christian Möller. Ich bin Geschäftsführer des Bosch Car Service Magdeburg und gemeinsam mit Jens Rottig Geschäftsführer von zwei weiteren Kapitalgesellschaften, die zu unserem Unternehmen gehören.
Wie sind Sie zum Handwerk beziehungsweise zur Automobilbranche gekommen?
Ich komme mittlerweile aus 25 Jahren Automobilbranche und bin, wie ich immer sage, ein Kind des Automobils. Angefangen habe ich 1999 mit meiner Ausbildung zum Automobilkaufmann. Später war ich viele Jahre im Vertrieb tätig und habe unter anderem rund neun Jahre die Vertriebsleitung in einem Mehrmarkenhaus übernommen.
Mobilität hat mich dabei immer fasziniert. Wir schaffen Mobilität für Menschen, für Familien und für Unternehmen. Gerade im Nutzfahrzeugbereich versetzen wir Menschen überhaupt erst in die Lage, ihr Handwerk oder ihre Dienstleistung auszuführen. Das hat mich immer sehr geprägt.
Warum haben Sie sich für eine Betriebsübernahme entschieden?
Ich war lange auf der Suche nach einer Möglichkeit, selbst unternehmerisch tätig zu werden. Das Thema Unternehmensnachfolge war für mich dabei immer sehr präsent.
Ich halte eine Unternehmensnachfolge für eine sehr lohnenswerte Investition. Man übernimmt ein bestehendes Unternehmen mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Aura, einem bestehenden Team und einem Kundenstamm. In unserem Fall kam hinzu, dass mein Mitgeschäftsführer den Altgesellschafter persönlich kannte. Darüber ist der Kontakt entstanden.
Motiviert hat mich vor allem, dass wir hier ein Unternehmen mit einer langen Historie, einem sehr guten Ruf in der Region und darüber hinaus, vielen Alleinstellungsmerkmalen und einem starken Team vorgefunden haben. Da war die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, letztlich nur noch die logische Folge.
Wie lief der Prozess der Betriebsübernahme ab?
Vom ersten Kontakt und den Gesprächen über die Vorstellungen beider Seiten bis zur tatsächlichen Unterschrift hat der gesamte Prozess fast ein Jahr gedauert. Für eine Unternehmensübernahme ist das aus meiner Sicht trotzdem ein sehr kurzer Zeitraum.
Man darf nicht vergessen: Es geht um ein Unternehmen, das voll im Markt steht. Man muss Investitionen berücksichtigen, über Reinvestitionen sprechen und natürlich auch die Finanzierbarkeit im Blick behalten. Das braucht Zeit und eine saubere Vorbereitung.
Wo haben Sie sich bei der Unternehmensnachfolge Unterstützung geholt?
Eine wichtige Rolle hat das gemeinsame Netzwerk von Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer zum Thema Unternehmensnachfolge gespielt. Diese Angebote habe ich von Anfang an genutzt.
Der erste große Meilenstein war die Unternehmensbewertung durch die Handwerkskammer Magdeburg. Dadurch kamen die Gespräche richtig ins Rollen. Im weiteren Prozess konnten wir zusätzliche Beratungsangebote wahrnehmen und beispielsweise mit Rechtsanwälten, Steuerberatern und Betriebsberatern sprechen.
Wie wichtig war diese Unterstützung für Sie?
Essenziell. Auch wenn wir bereits lange Führungs- und unternehmerische Erfahrung hatten, ist eine unabhängige Begleitung enorm hilfreich.
Bei einer Unternehmensübernahme treffen zwei Parteien mit unterschiedlichen Interessen aufeinander: Auf der einen Seite steht der Verkäufer, auf der anderen der Käufer. Da ist ein neutraler Partner dazwischen sehr sinnvoll.
Ein weiterer Vorteil ist die unabhängige Ersteinschätzung. Professionelle Beratung kostet schnell viel Geld. Wenn man zunächst eine fundierte, neutrale Einschätzung bekommt und anschließend entscheiden kann, an welchen Stellen man weitere Unterstützung benötigt, ist das sehr wertvoll.
Welche Rolle spielt das Handwerk heute für Sie persönlich?
Ich finde Handwerk aus ganz unterschiedlichen Gründen großartig. Im klassischen Handel ist man immer von einer Ware oder einer Marke abhängig. Im Handwerk schaffen wir dagegen mit unserer eigenen Dienstleistung einen Wert.
Bei uns geht es darum, Mobilität zu erhalten. Das kann die Familie sein, die ihr älteres Auto weiterhin nutzen möchte, aber genauso ein Flottenfahrzeug oder eine umfangreiche Reparatur. Wir erhalten Werte und können sie teilweise sogar vergrößern. Genau deshalb finde ich Handwerk so spannend.
Deshalb bilden wir auch sehr gerne und viel aus. Wir wollen, dass dieses Handwerk weitergeführt wird.
Warum war es Ihnen wichtig, gerade in der Region Magdeburg tätig zu sein?
Die Region ist meine Heimat. Ich lebe seit Ende der 1980er-Jahre hier, habe hier meine Familie und bin auch ehrenamtlich engagiert. Für mich stand deshalb nie ernsthaft zur Debatte, in eine andere Region zu gehen.
Hier bin ich fest verwurzelt, und hier möchte ich auch unternehmerisch tätig sein.
Was würden Sie bei einer Betriebsübernahme wieder genauso machen?
Ich würde tatsächlich nichts Maßgebliches anders machen. Der Prozess hat mir aber einige Dinge sehr deutlich gezeigt, die ich anderen Nachfolgern unbedingt mitgeben würde.
Ganz wichtig ist aus meiner Sicht, den bisherigen Inhaber auch nach der Übernahme einzubinden. Dort liegt ein riesiger Erfahrungs- und Wissensschatz. Dazu kommen persönliche Beziehungen zu Mitarbeitern und Kunden sowie umfangreiche Marktkenntnisse. Dieses Wissen sollte man nicht einfach verlieren.
Was würden Sie anderen Nachfolgern zusätzlich empfehlen?
Suchen Sie sich Berater, Coaches oder Sparringspartner. Wenn man neu an der Spitze eines Unternehmens steht, ist man in vielen Entscheidungen erst einmal allein.
Es hilft enorm, jemanden außerhalb des operativen Geschäfts zu haben, der neutral oder auch bewusst wohlwollend Feedback gibt. Gerade in der Übergangsphase vom alten in das neue Unternehmen halte ich solche Begleiter für sehr wichtig.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Wir wollen das bestehende Geschäft weiterführen, uns gleichzeitig aber auch weiterentwickeln. Ein großes Thema im markenungebundenen Werkstattbereich ist für uns die Elektromobilität.
Hier investieren wir aktuell sowohl in unsere Mitarbeiter als auch in unsere Infrastruktur. Gerade im Gebrauchtwagenmarkt wächst der Anteil an Elektrofahrzeugen, und an dieser Entwicklung wollen wir teilhaben.
Was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die über Handwerk oder Unternehmertum nachdenken?
Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und junge Menschen grundsätzlich dazu ermutigen, über Unternehmertum nachzudenken.
Unternehmertum ist unheimlich interessant. Bei allen Risiken überwiegen aus meiner Sicht die Chancen. Man hat die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen und eigene Ideen umzusetzen.
Gerade das Handwerk bietet eine Fülle an Möglichkeiten und Entwicklungspotenzialen – beim Thema Fachkräfte genauso wie bei Digitalisierung oder neuen Geschäftsmodellen. Wenn man seine persönliche Passion gefunden hat, würde ich immer empfehlen, zumindest einmal zu prüfen, ob eine unternehmerische Tätigkeit infrage kommt.
Ansprechperson Gründerstories:
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Ansprechperson Unternehmensnachfolge:
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